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Japan liegt an der geologischen Bruchzone von vier tektonischen Platten der Erdkruste

Japan: Die Auswirkungen des Erdbebens auf die Fotoindustrie (Update 29.3.)

So pietätlos es klingen mag, jetzt darüber zu berichten, doch Japan ist eine wirtschaftliche Großmacht und damit haben die durch das Erdbeben und die Flutwelle verursachten Schäden auch Folgen für die Weltwirtschaft. Welche Auswirkungen auf die Fotoindustrie zu erwarten sind, dieser Frage ist FOTOobjektiv nachgegangen und hat einige Statements aus der Branche eingeholt.

Klaus Lorbeer

Pentax: Mitarbeiter von Pentax haben das Unglück bis auf wenige leichte Verletzungen gut überstanden. Auch der Hauptsitz von Pentax in Tokio wurde nur im geringen Umfang beschädigt. Die Folgen des Erdbebens und des daraus resultierenden Tsunamis sind von einem solchen Ausmaß, dass derzeit niemand in der Lage ist, die kurz- und langfristigen Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Japan sowie den allgemeinen Geschäftsbetrieb abzusehen. Erschwerend kommt die Einschränkung der Stromversorgung durch die Tokyo Electric Power Company hinzu. Pentax Europe steht mit den Kollegen in Japan im engen und regelmäßigen Kontakt und wird so ständig über die aktuellen Entwicklungen informiert. Dies gilt auch für die geschäftlich relevanten Folgen der Naturkatastrophe. Für den schnellen Wiederaufbau der betroffenen Region hat die Hoya Corporation medizinische Ausrüstung sowie eine Spende über 100 Millionen Yen bereit gestellt.

Canon: Unternehmenssprecher Helmut Hafner ist in Österreich bei Canon für die Krisenkommunikation zuständig. Er berichtet, dass acht Werke von Canon im Norden Japans von der Katastrophe beschädigt wurden. 15 Mitarbeiter wurden verletzt. Diese acht Werke wurden sind zunächst stillgelegt worden. Jetzt wird das genaue Ausmaß der Verwüstung erhoben. Falls ein Werke über einen Monat geschlossen bleiben muss, so Hafner, werde man die Produktion in einem anderen japanischen Canon-Werk oder vielleicht auch außerhalb Japans auslagern.
Allerdings liegt nicht die ganze Produktion bei Canon brach.
Das europäische Lager in Rotterdam sei gut gefüllt, berichtet Hafner, es sollte keine größeren Lieferausfälle geben.
Canon habe 300 Mio Yen (2,6 Mio. Euro) an das Rote Kreuz gespendet. In Österreich erging an alle Canon-Kunden ein Brief mit einer Stellungnahme zu den Auswirkungen des Erdbebens und der Flutwelle.

Nikon: Nikons Flaggschiff, die D3s-Spiegelreflexkamera, wird im Werk in Sendai hergestellt, also in der Stadt, die durch die Flutwelle zu großen Teilen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Dennoch: das etwas außerhalb der Stadt gelegene Werk hat laut Nikon mit relativ leichten Schäden am Gebäude und der Einrichtung die Katastrophe überlebt. Auch die anderen Produktionsstandorte von Nikon sind in Japan nur in relativ leichter Form betroffen. Dennoch ist die Produktion ausgesetzt worden, bis die Schadensermittlung vollständig abgeschlossen ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können noch keine konkreten Angaben über den Zeitpunkt der Wideraufnahme des Betriebs gemacht werden, da diese auch von den jeweiligen Gegebenheiten und Umständen vor Ort, insbesondere der Infrastruktur und den Versorgungslinien, abhängen. In Reaktion auf die tragischen Ereignisse und als Soforthilfe für die Opfer hat die Nikon 100 Mio. Yen (ca. 900.000 Euro) an das japanische Rote Kreuz gespendet.

Sony: Sechs Werke von Sony sind beschädigt worden, wobei eines direkt von der Flutwelle getroffen wurde, berichtet Fiona Flannery, PR-Manager bei Sony Schweiz/Österreich. Dort konnten sich aber alle Mitarbeiter (und auch Menschen aus der Nachbarschaft) in den obersten Stock retten. Es gab keine Verletzte. Diese Werke sind geschlossen worden, so Flannery weiter, aber auch andere Werke wurden von Sony heruntergefahren, um Strom zu sparen, der in Japan derzeit ja Mangelware ist. "Dank der globalen Verteilung unserer Produktionsstätten gehen wir trotz der Stilllegung einiger Werke derzeit davon aus, dass wir in der Schweiz und in Österreich unsere Lieferungen wie geplant sicherstellen können," sagt Flannery. Wichtiger sind aber jetzt die betroffenen Menschen in Japan, deswegen hat Sony eine finanzielle Soforthilfe von 300 Mio. Yen (2,6 Mio. Euro) zur Verfügung gestellt.
Update (29. 3. 2011) Acht Sony-Fabriken (hauptsächlich für Blu-ray Discs und Lithium-Ionen-Akkus) wurden vom Erdbeben beschädigt. Drei davon haben den Betrieb mittlerweile jedoch schon wieder aufgenommen. Fünf Produktionsstätten sind bis auf weiteres geschlossen worden. Weitere fünf Produktionsstätten sind momentan ebenfalls nicht in Betrieb, weil die Zulieferer ausgefallen sind.
Sony geht aus heutiger Sicht davon aus, dass kurzfristig keine Lieferengpässe zu befürchten sind. Die mittelfristige Situation in Bezug auf Lieferungen ist momentan noch sehr schwer einzuschätzen. Obschon der Konzern multinational aufgestellt ist und somit ein Großteil der Beschaffung und Produktion verlagert werden könnte, sind mittelfristige Engpässe dennoch nicht auszuschließen.

James Labruyere/Frankreich:Voile de plage

Die betroffenen Werke von Sony



Fazit: Aktuell sollte es keine Lieferengpässen in Europa geben, die Lager sind für die nächsten Wochen voll gefüllt. Was aber mittelfristig sein wird, ob die Preise steigen, es Lieferengpässe und dergleichen gibt, das hängt sehr stark von der weiteren Entwicklung in Japan ab und kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorhergesagt werden.

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