FOTOobjektiv

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Der Cinématographe der Gebrüder Lumière, ab 1895 auf dem Markt, war Aufnahmegerät und Projektor in einem.

Ausstellung im Schweizer Kameramuseum - Von der Glasplatte zum Film

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts veränderte die Einführung des flexiblen Rollfilms als Ersatz der bis dahin in der Fotografie üblichen Glasplatten die Fotografie von Grund auf. Eine neue Dauerausstellung des Schweizer Kameramuseums veranschaulicht die Veränderung der Fotografie durch die Erfindung des Films.

Thomas Jurecka

Mit dem Erscheinen des Rollfilms als biegsamem Bildträger in den 1880er Jahren verändert sich das Fotografieren von Grund auf. Die Kamera wird einer eigentlichen Metamorphose unterzogen, sie wird verkleinert und mechanisiert. Der Film, der eine Abfolge nacheinander aufgenommener Bilder und damit einen mit Glasnegativen unvorstellbaren Komfort bietet, vereinfacht das Fotografieren so sehr, dass er unsere Art zu sehen und kommunizieren revolutioniert und dem weiten Arbeitsfeld des Fotografen im 20. Jahrhundert den Weg ebnet.
Noch vor George Eastmans Rollfilm gibt es im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 ein erstes Beispiel für einen Film, der dem Chemiker und Fotografen Prudent René-Patrice Dagron zu verdanken ist. Wichtige Dokumente wurden damals fotografisch auf Kollodiumpapier verkleinert und mit Brieftauben ins belagerte Paris gebracht.
Nachdem Eastman die Kodak erfunden hatte, eine kleine benutzerfreundliche Kamera mit Rollfilm und dem berühmten Slogan "You press the button, we do the rest", wird die Fotografie demokratisiert und zur "Zeugin glücklicher Tage" im Leben des Hobbyfotografen und seiner Familie. Das nun für jedermann zugängliche fotografische Bild wird spontaner…

Die Verwendung des Films ermöglicht auch das Aufkommen des Kinos. Der von Edison entwickelte 35-mm-Kinofilm bringt eine weitere Neuerung: die berühmte Leica von Oskar Barnack. Mit diesem Apparat nimmt das Konzept der modernen Fotokamera Gestalt an. In Form der Rolleiflex, dem Arbeitsinstrument des Fotoreporters schlechthin, leistet sie ab Ende der 1920er Jahren ihren Beitrag zum goldenen Zeitalter der Illustrierten. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wird die Fotografie immer «enthüllender». Die Fabrikanten entwickeln immer patentere Hilfsmittel, die sich bei Fotografen grosser Beliebtheit erfreuen – auf der Suche nach
"gestohlenen" Augenblicken, die nicht gestellte und nicht abgesprochene Bilder bieten.

Nach Kriegsende sorgt der schnelle Wirtschaftsaufschwung zusammen mit der Tatsache, dass die Menschen über mehr Freizeit verfügen, in der Fotoindustrie für neuen Elan. Der geniale amerikanische Physiker Edwin Herbert Land lanciert mit der Polaroidkamera das erste befriedigende Sofortbildverfahren. Die Mechanik wird raffinierter, Spiegelreflexkameras werden effizienter und sind mit immer leistungsfähigeren Belichtungsmessern ausgestattet. Da sich der Film hervorragend für eine industrielle Verarbeitung eignet, werden Fotos schnell zum Massenartikel. Mit dem allgemeinen Durchbruch der Farbfotografie in den 1960er Jahren gelangen der Film und seine Entwicklung ins Angebot der Supermärkte. Die grösste Revolution der Nachkriegszeit ist die Erfindung des Kassettenfilms der Kodak Instamatic, die mit 70 Millionen Exemplaren zur meistverkauften Fotokamera der Welt wird.
Ab dieser Zeit bringt die japanische Industrie der 35-mm-Spiegelreflexkamera für Profi- und Hobbyfotografen eine beachtliche Entwicklung. Die technischen Fortschritte der letzten 30 Jahre beruhen hauptsächlich auf der Automatisierung der Fotokameras dank der Elektronik: automatischer Filmeinzug und motorische Rückspulung, Berechnung der Belichtungszeit und vor allem das Aufkommen von Autofokussystemen, die eine automatische Scharfstellung ermöglichen.

Web: http://www.cameramuseum.ch/
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