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Minsk im Dezember 2010: Hundertschaften von Polizisten sichern mit Schildern bewehrt das Regierungsgebäude gegen Demonstranten

Fotos für die Pressefreiheit 2011

Zum 3. Mai, dem Internationalen Tag der Pressefreiheit, veröffentlicht Reporter ohne Grenzen (ROG) einen neuen Band aus der Reihe "Fotos für die Pressefreiheit". Der rund hundertseitige Fotoband dokumentiert in Bildern und Texten Ereignisse des Jahres 2010.

Thomas Jurecka

Viele der Texte und Bilder zeigen exemplarisch, wie schwierig die Arbeit von Journalisten und Medien in vielen Teilen der Welt ist. In vielen Ländern der Erde muss darum gerungen werden, dass das eigentlich Selbstverständliche selbstverständlich wird: dass Journalisten einigermaßen frei arbeiten können. Viele Journalisten arbeiten in Regionen, in denen der Tod allgegenwärtig ist – in Gestalt von Autobombern, Selbstmordattentätern und Killerschwadronen. Seit 17 Jahren ist der 3. Mai der "Internationale Tag der Pressefreiheit". Die Weltkulturorganisation UNESCO ruft die Menschen in allen Staaten dazu auf, an diesem Tag eine Schweigeminute für ermordete Journalisten einzulegen.

Rund 20 international bekannte Fotografinnen und Fotografen sowie mehr als zehn Autorinnen und Autoren haben an dem diesjährigen Album mitgewirkt.

Der erste Teil von "Fotos für die Pressefreiheit 2011" besteht aus kurzen Faktenblöcken, Fotostrecken sowie Einzelbilder. Er führt uns an aktuelle Brennpunkte der Pressefreiheit, wie etwa in das ostafrikanische Land Uganda. Dort sind Medien zum Spielball politischer Interessen geworden, Bestechung von Journalisten und mediale Hetzkampagnen vor allem gegen Homosexuelle haben in erschreckendem Maße zugenommen. In Haiti hingegen kämpfen die Journalisten nach dem Erdbeben im Januar 2010 um ihr berufliches Überleben. Aber auch beunruhigende Vorkommnisse in EU-Staaten werden beschrieben, wie etwa die juristische Verfolgung Medienschaffender in Frankreich und Deutschland.

Im zweiten Teil des Fotobuchs finden sich längere Bildserien und Texte. "Das war's von unserer Seite" heißt eine Reportage über die Auswirkungen des Abzugs US-amerikanischer Truppen aus dem Irak im vergangenen Jahr. Die Bilanz des Irak-Krieges und der anschließenden Besatzungszeit ist düster. In den mehr als sieben Jahren starben in dem vorderasiatischen Land hunderttausende Zivilisten und weit mehr als 200 Journalisten. Doch nach Abzug der US-Soldaten ist die Sicherheitslage prekär, wie der Journalist Tomas Avenarius in seinem Text beschreibt. Die Bevölkerung hat große Angst vor Anschlägen. Es fehlen eine funktionierende politische Führung und die Perspektive einer wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Die Leere und Orientierungslosigkeit finden ihren Ausdruck in den monumentalen Bildern des irischen Fotografen Richard Mosse. Seine Serie "Breach" zeigt die imperialen Paläste Saddam Husseins. Es sind Symbole von Größenwahn, die das US-Militär temporär als Unterkünfte genutzt hat.

Der diesjährige Band ist der 18. aus der Reihe "Fotos für die Pressefreiheit". Seit vergangenem Jahr kommen die Bücher in neuem Layout und mit veränderten inhaltlichen Schwerpunkten daher. Dafür wurde der Bildband mit dem kress Award für den besten Relaunch des Jahres 2010 ausgezeichnet. Verantwortlich für die neue Gestaltung und inhaltliche Ausrichtung sind die Bildredakteurin Barbara Stauss und die Agentur onlab. Das Fotobuch ist im Buchhandel für 14 Euro erhältlich.

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