FOTOobjektiv

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Buchtipp: Atlas der Stille

von Gerhard Roth

Thomas Jurecka

Der Schriftsteller Gerhard Roth verwendet seit vielen Jahren den Fotoapparat wie eine Sonde, die ihm beim Beobachten und Aufspüren hilft. Nicht die »schöne«, »gute« Fotografie, sondern alles, was nebensächlich und selbstverständlich scheint, interessiert ihn, das Alltäglichste vor seiner Haustür.

Lange Zeit war ihm der Fotoapparat ein Hilfsmittel, eine andere Form, Tagebücher oder Notizen zu verfassen, ein Erinnerungsspeicher außerhalb des eigenen Kopfes. Fotografieren geschah dabei so selbstverständlich und unaufgeregt wie Gehen: Unkompliziert, einfach, nebenbei. Allmählich wurde jedoch der Fotoapparat zu einem Gerät, das die Aufmerksamkeit steigerte. Mit Bildern ließen sich nicht nur Notizen, sondern Kürzestgeschichten für die schriftstellerische Arbeit, ja ganze Beobachtungsserien anfertigen.

In Obergreith, wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt, lebte und fotografierte Roth von 1977 bis 1986, in dieser Zeit entstanden mehr als 10.000 Fotografien. Roth erkundete diesen Landstrich, seine Häuser und Lebensgeschichten, die Jahreszeiten und Lebensläufe, das Dorfleben und Tierleben, die Landschaften, allesamt Schauplätze für Geschichten. Das Besondere im Alltäglichen, im Allgemeinsten zu erkennen, ist Gerhard Roths fotografisches Credo: "Ich sah, wie ein Schwein geschlachtet wurde und ein Huhn. Für mich geschah alles wie zum ersten Mal, weil ich es beschrieb und fotografierte."

Das Buch ist im Brandstätter Verlag erschienen und kostet 49,90 Euro.  +