FOTOobjektiv

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15.01.2015
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Trude Geiringer / Dora Horovitz: "Harald Kreutzberg", um 1925. Leihgabe: Fotomuseum WestLicht, Wien

Tanz der Hände

Tilly Losch und Hedy Pfundmayr in Fotografien 1920–1935 14. November 2014 bis 15. Februar 2015, Museum der Moderne - Rupertinum, Salzburg. Di bis So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr.

Klaus Lorbeer

Ausgangspunkt der Ausstellung "Tanz der Hände" ist ein Tanzabend im Rahmen der Salzburger Festspiele im Jahr 1927. Zwei Solotänzerinnen der Wiener Staatsoper, Tilly Losch (1903–1975) und Hedy Pfundmayr (1899–1965), zeigten in Salzburg ungewöhnliche Choreografien, bei denen sie nur die Hände bewegten. "Die Ausstellung eröffnet einen Blick auf in eine Vergessenheit geratene Facette der Zwischenkriegszeit, nämlich auf das damalige Faible für Hände und Posen in Fotografie und Tanz der 1920er-Jahre, und das alles in Verbindung mit einer – möglicherweise – auch für heutige Begriffe ungewöhnlichen Aufführung", begründet Sabine Breitwieser, Direktorin, warum sie die Ausstellung in erweiterter Form am Museum der Moderne Salzburg zeigt. "Für Tilly Losch und Hedy Pfundmayr sollten jene Tänze zum Markenzeichen werden, ihr Auftreten in Fotografie und Film inspirieren und damit die Wahrnehmung in einer breiten Öffentlichkeit prägen", erklärt Monika Faber, Leiterin des Photoinstitut Bonartes und Ko-Kuratorin der Ausstellung. Rund 140 Werke, darunter zum Großteil Fotografien, aber auch Filme, Glasdiapositive und Handmoulagen aus diversen Sammlungen – unter anderem auch aus der des Museum der Moderne Salzburg – werden gezeigt.

Händekult der 1920er Jahre

Warum Tilly Losch und Hedy Pfundmayr als Balletttänzerinnen die Beinarbeit zurücknahmen und sich derart exklusiv auf Hände konzentrierten, wird unter anderem anhand der fotografischen Nachlässe der beiden analysiert. Einerseits unterstrichen sie damit ihre Nähe zum Ausdruckstanz. Schlanke Frauenhände waren andererseits ein erotisches Symbol, das sich gut für Werbesujets eignete und in der damaligen Lesbenszene regen Anklang fand. Ein weiterer Aspekt, der untersucht wurde, ist die schier überbordende Vielfalt an Büchern, Zeitungen und Magazinen, die sich dem Kult, aber auch der Analyse von Händen widmeten und reich mit Fotografien illustriert waren. Handlesen hatte zur damaligen Zeit Hochkonjunktur und morphologische Untersuchungen der Hand sollten unter anderem Rückschlüsse auf den Charakter zulassen. Nicht zuletzt spiegelt sich all das in der Studiofotografie der Zeit wider, in der die Gestik die Mimik ergänzte. Der Fotograf Rudolf Koppitz, mit dem Hedy Pfundmayr eng zusammenarbeitete, sah in Handstudien eine unerlässliche Vorübung seiner Schülerinnen und Schüler für das Porträtfach – eine Auffassung, die offensichtlich auch seine Kolleginnen und Kollegen, wie Trude Fleischmann, Madame d'Ora, Anton Josef Trčka oder Franz Xaver Setzer teilten.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung: Norman Bel Geddes, Arthur Benda, Photo Ellinger, Pepa Feldscharek, Max Fenichel, Trude Fleischmann, Trude Geiringer/Dora Horovitz, Edith Glogau, Horst von Harbou, E.O. Hoppé, Max Jaffé, Dora Kallmus (Madame d'Ora), Grete Kolliner, Rudolf Koppitz, Atelier Koppitz, Germaine Krull, Franz Löwy, Hans Malek, Atelier Manassé, Albert Renger-Patzsch, Residenz Atelier (Albin Kobé), Atelier Robertson (Hans Robertson), Charlotte Rudolph, Franz Xaver Setzer, Otto Skall, Anton Josef Trčka, Wilhelm Willinger, Herta Winkler, Paul Wolff

Weitere Infos:

www.museumdermoderne.at