FOTOobjektiv

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23.09.2015
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Nadja Bournonville: "Ludere" aus Blindfell, 2015 Analog C- Print, 93 x 74 cm

Nadja Bournonville, Kerstin Hamilton, Erik Viklund

Die Ausstellung vereint drei jeweils sehr unterschiedliche Positionen einer jüngeren Generation von schwedischen FotokünstlerInnen, die wissenschaftliche Phänomene, Nadja Bournonville, konkret geopolitische Themen, Kerstin Hamilton, aber auch sehr private Lebenswelten, Erik Viklund, behandeln. Wo: FOTOHOF. Inge-Morath-Platz 13, 5020 Salzburg. Wann: 25.9. - 14. 11. 2015, Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 11-13 Uhr.

Klaus Lorbeer

Die Herangehensweisen zeichnen sich durch ein reiches Spektrum von explizit analogen Strategien, die einen unmittelbaren Eingriff in den Bildentstehungsprozess erlauben (Bournonville), auf eine durch umfangreicher Recherche gestützte Dokumentarfotografie (Hamilton) bis zu einem sehr subjektiven von expressionistischer Kraft geprägtem Stil (Viklund) aus.

Die KünstlerInnen stellen die Genese von fotografischen Bildern als Dokument und Inszenierung, als allgemeingültige Aussage, subjektiver Ausschnitt oder Konstrukt von Wirklichkeit in den Mittelpunkt ihrer Aussage und regen die Betrachter an, Fragen nach dem eigenen, persönlichen Bildarchiv zu stellen.  

Der Titel des jüngsten Projekts von Nadja Bournonville lautet Blindfell. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Altenglischen ab und meint, jemanden erblinden lassen. In dieser Serie konzentriert sich Bournonville auf das Sehen an sich und die Störungen in der Wahrnehmung, als Grundlage in der Konfrontation mit der uns umgebenden Welt. Ihre Quellen reichen von der Literatur bis zur Augenheilkunde, von tastbaren Globen in Museen, der Geschichte der Blindheit, Observatorien und der überwältigenden Stimulation in Vergnügungsparks. Sie zeigt die Protagonisten ihrer Bilder oft ihres Sehvermögens beraubt, die Augen sind weggeschnitten oder verdeckt, bzw. gänzlich schwarz, wie jene des "Basilisken", einer 400 Jahre alten Kuriosität aus dem Wiener Naturhistorischen Museum, dessen starrer Blick angeblich Menschen versteinern soll. 

Die Fotografien appellieren an unsere Fähigkeit zur Erinnerung in dem sie oft beiläufig wirken oder farbverfremdet wurden. Sie treten wie eine Nachbildung aus der Erinnerung hervor und geben nur mehr vage Auskunft über einen unbestimmbaren Ort und Zeitraum. Wir erkennen in den Bildern das, was wir bereits zu kennen meinen, der Sehvorgang folgt einem Automatismus und beschränkt unsere Schärfentiefe. Welche Eindrücke werden vom Gedächtnis mit Lust, Ekel oder Faszination gespeichert und was verschwindet im Strom des Desinteresses?

Bournonvilles Fotografien erzählen von optischen Fehlern genauso wie von der Frühzeit der Fotografie, wo man der Meinung war, dass es möglich sei, die Aura von Personen in einem fotografischen Prozess sichtbar werden zu lassen. Ihre Fotografien entstehen in einem analogen Prozess und umfassen Doppelbelichtungen, Piercing und Verbrennen des Filmmaterials, genauso wie Unschärfen, die beim Entwickeln im Labor entstanden sind. Die gesamte Serie besteht aus ca. 50 von Hand geprinteten Farb- und S/W-Fotografien, die in Japan, Norwegen, Schweden und Österreich während der letzten 2 Jahre entstanden sind.

Kerstin Hamilton zeigt eine Auswahl aus ihrem groß angelegten Rechercheprojekt The String of Pearls, dass gemeinsam mit dem Soziologen Karl Palmers entstanden ist. Darin geht es um die Region rund um das kleine Fischerdorf Hambantota an der Südküste von Sri Lanka. Mit chinesischem Geld und Arbeitskräften entsteht dort ein internationaler Flughafen, ein Cricket Stadion und der größte Hafen in Südasien. 

Hambantota liegt auf einer der wichtigsten Seehandelsstraßen des Indischen Ozeans. Dass dieser Ort eine so gewaltige Veränderung erfährt, ist auch dem bis Januar 2015 noch amtierenden Präsidenten von Sri Lanka Mahinda Rajapaksa, zu verdanken, der aus dem Distrikt Hambantota stammt. Sein nach außen gemäßigter Nachfolger Sinasera scheint das Projekt weiterzuverfolgen. Kerstin Hamilton fungiert als politischer Kommentator und fasst vergangene Spekulationen und mögliche zukünftige Entwicklungen in ihrem Fotoprojekt zusammen. In ihrer Arbeit stellt sie unterschiedliche Herangehensweisen ihrer Recherchen vor. Sie erzählt mit fotografischen Mitteln über die Region, den Ort und die dort involvierten Menschen, sodass ein differenziertes Bild eines vollkommen unscheinbaren Ortes entsteht, der im Fokus von internationalen wirtschaftlichen Interessen einem hohen Druck standhalten muss, seine Natur und Individualität zu erhalten.

Kerstin Hamilton: "Port Viewpoint", 2012. Digital C-Print, 27x27 cm



Erik Viklund präsentiert Fotografien aus seiner 2012 fertig gestellten Arbeit Stilla Hastighet in Form einer Rauminstallation. Stilla Hastighet umkreist die Phase des Erwachsenwerdens. Junge Menschen, deren Lebensrealität sich häufig zwischen den Polen von Romantik und Unberechenbarkeit bewegt, bilden das zentrale Motiv und werden von Viklund in einem expressiven Stil fotografisch festgehalten. Viklunds künstlerische Sprache setzt häufig formale Aspekte interpretatorisch ein. So verwendet er in diesem Projekt eine breite Palette von unterschiedlichen Formaten, um sich diesem suggestiven, zerbrechlichen und schwer fassbaren Thema anzunähern. Er begreift es auch als eine in fixe Sequenzen unterteilte Reise durch die fragmentierte Realität der Fotografie.
Viklunds Arbeitsweise ist durch die Überlagerung von dokumentarischer und inszenierter Fotografie gekennzeichnet. Bei der Produktion seiner Künstlerbücher setzt er Format und Sequenz als bewusstes künstlerisches Ausdrucksmittel ein. Inhaltlich beschäftigt er sich immer wieder mit den Themen der persönlichen Erinnerung, Fragmentierung und Verletzlichkeit.

Erik Viklund: "Untitled #7", (From the series Stilla Hastighet) - 2012 - 95 x 78 cm


Weitere Infos unter www.fotohof.at