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02.02.2016
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Peter Piller: "Erscheinungen #4", 2015. Courtesy Capitain Petzel, Berlin

"Belegkontrolle" von Peter Piller im KUNST HAUS WIEN

Das KUNST HAUS WIEN zeigt in Kooperation mit dem Fotomuseum Winterthur, der Städtischen Galerie Nordhorn und der Kunsthalle Nürnberg mit "Belegkontrolle" eine Ausstellung des deutsch Künstlers Peter Piller. 22. Jänner – 22. Mai 2016.

Klaus Lorbeer

Mitte der 1990er Jahre arbeitete der deutsche Künstler Peter Piller während seines Kunststudiums bei einer Medienagentur. Dort musste er für regionale Werbekunden prüfen, wo und in welcher Form ihre geschalteten Anzeigen tatsächlich auch erschienen waren. Dabei stieß Peter Piller beim täglichen Durchblättern der Presse auf besondere Fotografien, die er schon bald zur Seite legte und mit Kategorien wie "Auto berühren", "Noch ist nichts zu sehen", "Bauerwartungsflächen" oder "Schiessende Mädchen" versah. So entstand über Jahre hinweg das bis heute über 7.000 Bilder umfassende Archiv von Peter Piller entstanden, das der Künstler immer wieder neu befragt und in thematische Werkgruppen sortiert und ablegt. Mit der Ausstellung "Belegkontrolle" können Interessierte im KUNST HAUS WIEN einen Einblick in dieses große Bildarchiv bekommen. 

Peter Piller wurde 1968 im deutschen Fritzlar geboren und lebt in Hamburg. Seit 2006 ist er Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 


Das KUNST HAUS WIEN beschreibt die Ausstellung folgendermaßen: 

"Das Verhältnis von Wort und Bild ist in Pillers Werk ein wichtiges Kriterium der Sichtung. Wo andere nichts erkennen, entwickelt der Künstler durch wiederholtes, konzentriertes Betrachten ein feines Gespür für die verborgenen Qualitäten der Gebrauchsfotografie. In Gruppen arrangiert und durch Titel kodiert, bringt Piller das gefundene oder zugespielte Bildmaterial in andere Kontexte und überführt es so in eine neue künstlerische Ordnung. Von "Erde schöner" beispielsweise ist eine raumgreifende Installation eines Archivs unzähliger Luftbildaufnahmen von Einfamilienhäusern aus den 1980er Jahren. "Nimmt Schaden" ging aus dem digitalen Foto- Fundus einer Schweizer Versicherungsgesellschaft hervor und ist eine stille Ode an die unbekannten Fotografen. 

Mit der Serie "Erscheinungen" lernen wir Piller auch als Fotografen kennen. Wie bei den Serien "Bereitschaftsgrad" und "Umschläge" – Arbeiten, denen Magazine der 1960-80er Jahre zugrunde liegen - hat der Künstler den Bildern die Textstellen genommen, nur die grafischen und fotografischen Elemente transportieren die Information. Mit "Nachkriegsordnung" gelingt dem Künstlern durch die Zusammenstellung von 35 Abbildungen desselben Motivs – einer Explosion nach einem Bombenabwurf über Bagdad im Jahr 2003 – 35 deutschen Tageszeitungen entnommen und freigestellt, eine pointierte Aussage über das politische Gewicht von Fotografien. 

Der Blick des Künstlers gilt hier wie dort dem täglichen Leben und gibt unseren profanen Handlungen und Ritualen einen heiteren und zuweilen ernsten Erkenntnisraum. Seine Zusammenstellungen und Analysen ermöglichen fotografische Repräsentation und deren Rezeption kritisch zu hinterfragen."