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23.04.2018

Gewusst wie: Die Kunst des Kuratierens

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Ein Beispiel für die Petersburger Hängung im Raum.

LUMAS Visual Merchandising Managerin Christin Sander gibt Tipps und Tricks zur richtigen Hängung von Fotos und wie man Kunstwerke auch im eigenen Zuhause perfekt in Szene setzt.

Klaus Lorbeer

Christin Sander ist seit mehr als zehn Jahren bei LUMAS tätig und hat viele Tipps & Tricks, wie man Kunstwerke ideal im eigenen Zuhause inszenieren kann. In ihrer Funktion als als Visual Merchandising Managerin ist sie u.a. verantwortlich für die Ausgestaltung der Galerien.    

Christin Sander ist Visual Merchandising Managerin bei LUMAS. © www.lumas.at


Was verbinden Sie mit LUMAS bzw. Kunst im Allgemeinen?

Christin Sander: Mich begeistert es immer wieder, dass ein Kunstwerk dem Betrachter ein Lächeln ins Gesicht zaubert und den ganzen Raum erhellen kann. Ich umgebe mich bei LUMAS seit nun mehr als zehn Jahren mit faszinierenden Kunstwerken. Täglich bemerke ich aufs Neue wie unsere Kunstwerke Räumen eine ganz persönliche Note verleihen. Wenn ich bei Freunden eingeladen bin, zieht es mich entsprechend immer zu ihren Wänden - offenbart die Werkauswahl doch viel über den Bewohner. 


Was muss man bei der Wahl des Bildes beachten, vor allem wenn man mehrere Werke nebeneinander hängen möchte?

Spannend finde ich eine Sammlung von Arbeiten, die allesamt in einer Technik umgesetzt werden. Oder man bricht bei schon vorhandenen Werken ganz bewusst den Stil: beispielsweise mit einem großen, farbigen Bild als Kontrastpunkt zu einer Wand mit klassischen Schwarz-Weiß-Fotografien.


Wann wählt man welche Art der Hängung? Liegt es an den Motiven, an den Größen, an den Rahmen? Welche Tipps können Sie uns geben?

Unterschiedliche Formate, Rahmen und Motive lassen sich immer zu einem harmonischen Ganzen kombinieren. Eine einfache Hilfe sind die waagerechten und senkrechten Linien der Bildkanten. Führen Sie diese imaginär weiter und finden Sie über sinnvolle Kreuzungen oder Reihungen Ihre Lieblingskomposition. 

Für viele unterschiedliche Formate eignet sich vor allem eine Petersburger Hängung, die eine Kreuzung der waagerechten und senkrechten Linie als Ausgang hat.

Ihren Namen verdankt diese Variante der opulenten Bilderhängung übrigens der Sankt Petersburger Eremitage, der bedeutsamen Sammlung des russischen Kunstmuseums. Deren Kunstwerke füllten die Säle bis unter die Decke. Die enge Anordnung von Gemälden über die gesamte Wandfläche sollte den Betrachter beeindrucken und zum Kunstkauf animieren. Neben dem Reichtum, der hier zur Schau gestellt wurde, ist die Petersburger Hängung, die auch unter dem Namen Salonhängung bekannt ist, noch heute die perfekte Präsentation für die Vielfalt der Kunst.


Für viele gleich große Formate empfiehlt sich eine Rasterhängung, in der alle Werke streng geometrisch angeordnet werden. Bestens dafür geeignet sind z.B. die "Butterfly" Werke unseres Künstlers Heiko Hellwig

Beispiel Rasterhängung im Raum. © Heiko Hellwig, www.lumas.com


Ebenfalls empfehlenswert ist eine Reihenhängung, deren Werke von der Bildmitte aus in Reihe hängen. Bei der Reihenhängung tanzt kein Bild aus der Reihe: Die strenge Ausführung dieser klaren Hängung ist für Werke derselben Größe geeignet, wie z.B. die Werke der israelischen Künstlerin Rachel Witzman, die sehr schön als Triptychon ins Szene gesetzt werden können. Platziert werden diese auf gleicher Höhe und in jeweils gleichen Abständen zueinander.

Reihenhängung, Jama Triptych. © Rachel Witzman, www.lumas.com


Darüber hinaus ist die Kantenhängung, in der sich alle Bilder an der Ober- oder Unterkante ausrichten, eine spannende Präsentationsvariante.

Beispiel Kantenhängung Unterkante. © www.lumas.com


Mein Tipp: Beim Aufhängen empfehle ich eine waagerecht gespannte Schnur oder ein an die Wand geklebtes Kreppband. Die Wasserwage hilft beim Ausrichten. 

Für Solo-Großformate gilt: immer zentral aufhängen und am besten mittig auf Augenhöhe.

Das Bild "Welle VII" von Daniel Reiter als Einzelbildhängung. © Daniel Reiter, www.lumas.com


Was muss man bei niedrigen, kleinen Räumen beachten?

Gerade in der Gestaltung von kleinen Räumen, bei maximal 2,60 m Raumhöhe und max. 10 qm, gibt es häufig die Tendenz, Respekt vor großformatigen Werken zu haben. Oft wird dann auf kleinformatige Bilder zurückgegriffen, wodurch der Raum noch kleinteiliger wirkt, ein wenig wie eine Puppenstube. Wir wünschen uns mehr Mut zur Größe. Große Werke schaffen etwas Magisches – sie kreieren die Illusion den vorhandenen Raum zu vergrößern und können ihn wie ein "Fenster" nach außen hin öffnen. So wirkt ein großes Werk, als Solist zentral über einem schönen Bett platziert, sehr großzügig, offen und elegant. Hierbei sind Werke mit einer räumlichen Perspektive sehr schön. LUMAS Editionen von Daniel Reiter, Sven Fennema oder Werner Pawlok, schaffen dieses Spiel der Perspektiven auf sehr eindrucksvolle Art und Weise.


Welchen Rat muss man bei hohen, großen Räumen beherzigen?

Große Räume kann man durch die Inszenierung von Kunstwerken neu strukturieren. Daher funktioniert hier mit einem gewissen Abstand und in der Abstimmung auf das Interieur beispielsweise auch eine kleinteilige Hängung neben einem großformatigen Solisten. Generell sollte man beim Bilder-Hängen auf seine Intuition hören: Grundregeln sind praktisch in der Aufhängung – das eigene Bauchgefühl aber ist unschlagbar. 


Und wie sieht es beispielsweise mit Dachschrägen aus? Welche Tipps kann man dabei beim Hängen eines Bildes berücksichtigen?

Hat man früher versucht, von komplizierten Ecken abzulenken, wird nun fokussiert. Viele einzelne Werke lassen beispielsweise das Treppensteigen zu einem visuellen Erlebnis werden. Die Werke von Larry Yust, die die auf-oder abfallenden Straßenzüge San Franciscos im schrägen Winkel aufgreifen, erzeugen in ein Treppenhaus gehängt ein spannendes Moment. So wird mit der Dynamik gespielt und die Bewegung aufgegriffen. 


Und wie sieht es mit der Wandfarbe aus - soll diese lieber weiß sein oder ist auch Farbe erlaubt?

Natürlich ist bei einer weißen Wand die Fokussierung auf das Kunstwerk am größten. Greift man aber Nuancen aus der Fotografie oder dem Gemälde auf, kann das Ganze zu einem völlig neuen, spannenden Arrangement werden. Dabei sollte die Wandfarbe tendenziell etwas dunkler sein, um dem Werk Wirkung zu verleihen. Ganz Mutige präsentieren ihre Werke auch schon mal auf einer gemusterten Tapete, das ist im Interieur-Design einer der neusten Trends. Früher galt, dass die Wand nicht über ein starkes visuelles Raster verfügen sollte. Aber mittlerweile hat sich hier der Geschmack verändert - Bilder auf visuell auffällig gemusterten Tapeten zu zeigen ist kein No-Go mehr.

Mein Tipp: Ein Passepartout kann zum Beispiel eine beruhigende Freifläche zwischen Motiv und Wand schaffen.  


Was ist LUMAS?

LUMAS bietet in über 40 Galerien weltweit Editionen in musealer Qualität. Mehr als 3.000 Arbeiten von 250 etablierten Künstlern und vielversprechenden Newcomern liefern einen umfassenden Einblick in die zeitgenössische Kunst- und Designszene. Die Werke sind als handsignierte Originale in limitierten Auflagen von meist 75 bis 150 Exemplaren erhältlich.

Weitere Informationen unter: http://at.lumas.com/
http://at.lumas.com/galerien/wien/

Die Wiener LUMAS Galerie befindet sich in der Wollzeile1-3, 1010 Wien.