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25.07.2018

"Schritt für Schritt füllt Leica die weißen Flecken auf ihrer Roadmap"

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Stefan Daniel ist Leiter der Produktentwicklung bei Leica.

Im Rahmen der Einweihung des dritten Bauabschnitts des Leitz-Parks in Wetzlar sprach FOTOobjektiv-Korrespondent Erik Derycke mit Stefan Daniel über Produktentwicklung, Kundenwünsche und Unternehmenskooperationen und mögliche Zukunftsmodelle.

Erik Derycke

Sie sind bei der Leica Camera AG zuständig für die Produktentwicklung. Bedeutet das, dass Sie entscheiden, welche Produkte Leica entwickelt?

Ich entscheide das nicht alleine. Mein Team und ich machen Vorschläge und geben schon eine Richtung vor; aber wir haben mit dem Herrn Dr. Kaufmann jemanden, der auch sehr gerne und sehr zurecht mitredet. Natürlich hängt das auch stark von technischen Faktoren ab, von Marktentwicklungen, von Kundenwünschen. Wir versuchen all das zusammenzubringen und damit dann die Produkte zu definieren.

In 2008-2009, als klar war, dass Leica in ruhigeres Fahrwasser ging, haben wir uns zur Aufgabe gesetzt, das Produktportfolio Schritt für Schritt zu komplettieren. Mitte der 2000er-Jahre gab es eine M-Kamera und ein Paar Kompaktkameras. Das Leica R System war nicht mehr zeitgemäß und es waren also viele weiße Flecken auf unserer Roadmap. Die haben wir über die Jahre Schritt für Schritt gefüllt.

 

Welche Rolle spielen die Kunden bei der Produktentwicklung?

Leica ist eine Marke, zu der fast jeder Kunde eine emotionale Bindung und eine starke Loyalität hat. Deshalb bekommen wir auch relativ viel Feedback von Kunden, wenn sie sich ein Feature wünschen oder wenn ihnen etwas missfällt. Wir haben auch ein sehr gutes Verhältnis mit den Betreibern des Leica-Forums. Zum anderen betreiben wir auch Marktforschung, laden Kunden ein und zeigen Prototypen – natürlich unter Vertraulichkeit – und testen damit ab, ob eine Idee populär ist oder nicht. Ein Beispiel ist die M10, bei der wir ein Feature, wie den dünneren Body vorgestellt haben. Der war für uns technisch nicht einfach zu realisieren, aber wir waren erstaunt, dass die Kunden sich das so sehr wünschten. Das war für uns eine Bestätigung.

 

Das jüngste Kind der Leica-Familie ist die kleine Leica CL im Retro-Stil, die im November 2017 vorgestellt wurde. Wie kam diese Kamera an?

Die CL bekommt überall sehr gute Kritiken und wir merken, dass die Kamera nicht nur von Foto-Amateuren und Privatnützern verwendet wird, sondern auch sehr gerne von professionellen Anwendern, insbesondere wenn sie eine Kamera brauchen, die klein, leicht und unauffällig ist. Ich sprach gerade gestern mit einem Fotografen, der sie im Amazonas-Gebiet eingesetzt hat und dort zu Bildern gekommen ist, die er mit einer traditionellen Spiegelreflexkamera nicht hätte machen können.

 

Die Leica SL scheint das Gegenstück zur CL: groß, modern und Vollformat. Wie passt die SL ins Angebot?

Die Leica SL spielt die Rolle des Arbeitspferds: es ist eine besonders schnelle und leistungsfähige Kamera, mit Objektiven, die einen weiten Brennweitenbereich abdecken. Die SL ist wesentlich die modernere Alternative zu einer Vollformat-Spiegelreflexkamera. Ich denke, dass wir da eine Vorreiterrolle haben und dass unsere geschätzten Mitbewerber sich früher oder später auch in dieses Feld hineinbewegen werden. Das SL-System steht für uns noch am Anfang. Das Objektivportfolio wird kontinuierlich erweitert.

 

Sehen sie da auch Raum für eine kompaktere, spiegellose Vollformat-Kamera, etwa mit den Dimensionen einer M?

Ich will nicht sagen, dass wir bisher jeden weißen Flecken gefüllt haben; wir beschäftigen uns immer mit alternativen Konzepten, ich kann da aber noch nicht mehr dazu sagen. Die Gerüchte über eine sogenannte C-M entbehren aber jeder Grundlage.

 

Die M-Serie ist das Flaggenschiff; wie wird sich die M weiterentwickeln?

Im Januar letzten Jahres haben wir die M10 vorgestellt. Die Kamera ist erwartungsgemäß sehr gut angekommen, insbesondere wegen der kompakteren Größe, des dünneren Bodys, aber auch der traditionellen Bedienung mit weniger Knöpfen. M ist nach wir vor unser wichtigstes Produktsegment und das werden wir weiter ausbauen und pflegen. Von Zeit zu Zeit machen wir auch ganz besondere Sachen, wie jetzt die Edition Zagato auf der Basis der M10.

 

Werden diese limitierten Editionen von Sammlern oder Fotografen gekauft?

Wir haben beides. Bei den Sammlern gibt es dann noch verschiedene Gruppen. Es gibt die Markenenthusiasten, die so etwas kaufen, weil sie es schön finden, weil es selten ist. Es gibt auch mittlerweile solche, die es kaufen, um damit zu spekulieren. Und wir haben die, die einfach sagen: ich möchte mit einer außergewöhnlichen Kamera fotografieren und diese dann auch ganz normal benutzen. Allerdings reden wir hier über eine Edition von 250 Exemplaren; dann ist natürlich die Kundschaft eher klein.

 

In den letzten Jahren haben andere Hersteller relativ günstige Mittelformatkameras vorgestellt, wodurch diese nicht nur den Profibereich adressieren. Ist das eine Entwicklung, die sie mit dem S-System auch gehen wollen?

Wir haben im Moment die Leica S (Typ 007) auf dem Markt. Auch im S-System wird es weitergehen. Wir haben dort interessante Sachen vor und werden in diesem Segment aktiv bleiben. Die Leica-S-Objektive gehören mit zum Besten, was man überhaupt bekommen kann für dieses Format, und wir werden den Weg ganz konsequent weiter beschreiten. Mehr darf ich im Moment noch nicht verraten.

 

Sehen sie noch eine Zukunft für Kompaktkameras?

Wir sehen, dass der Markt sich aufsplittet. Alles, was im Einstiegsegment ist, ist der Smartphonefotografie zum Opfer gefallen. Hochwertige Kompaktkameras aber, insbesondere solche mit großem Bildsensor, sind insgesamt im Markt sehr stabil. Zu denen zählen unsere D-Lux, V-Lux und die neue C-Lux, die wir heute Abend vorstellen. Wir können also glücklicherweise sagen, dass wir von diesem Rückgang nicht betroffen sind.

 

Im Smartphonebereich arbeitet Leica zusammen mit Huawei. Wie genau sieht das aus – sind Sie etwa der Hersteller der Objektive?

In der Mengenskala, in der diese Objektive gebraucht werden, wäre der gesamte Leitz-Park zu klein, deshalb findet die Produktion nicht hier statt, sondern bei den üblichen Herstellern in China. Wir arbeiten auf mehreren Feldern zusammen. Es sind einmal Themen wie die Optimierung von Kameramodulen, das Zusammenspiel von Objektiv und Sensor, die Vergütung mit Antireflexschichten, die Farbabstimmung, bis hin zur Bedienung der Fotofunktion. Im Grunde bringen wir die Expertise ein, wie man am besten zu einem guten Bild kommt. 

 

Kann Leica da auch von Huawei lernen, zum Beispiel im Bereich Künstlicher Intelligenz?

Es ist wirklich ein Wissensaustausch in beide Richtungen. Wenn es um Prozessoren, Schnelligkeit der Elektronik usw. angeht, profitieren wir von Huawei. Das geht weit über ein reines Branding – Name gegen Geld – hinaus.

 

Auch mit Fujifilm haben sie eine Partnerschaft, und zwar für die Sofort-Instantkamera. Wie erfolgreich ist diese Kamera?

Wir sind sehr zufrieden mit dem Erfolg der Sofort, sie hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Wir merken, dass eine Sofort viel gekauft wird von Menschen, die eine Kamera als Geschenk kaufen, die ihren Söhnen oder Töchtern eine Leica schenken wollen. Wir haben auch dort eine Edition gemacht mit Jean Pigozzi. Wir erreichen damit neue Zielgruppen, und so öffnet die Sofort uns neue Türen.

 

Fujifilm hat seitdem auch eine instax Square mit quadratischem Bildformat vorgestellt; es scheint mir logisch, dass auch eine Sofort Square folgen wird?

Das ist sicherlich interessant (lacht).

  

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