FOTOobjektiv

Sie befinden sich hier: HOMENewsNachrichten
Zur Vergrößerung anklicken

Neue Passfotos - so bitte nicht

Berufsfotografen freuen sich auf neue Passbilder

Die Reisesaison naht mit großen Schritten. Jedoch verlieren 1,2 Millionen Reisepässe im Jahr 2010 ihre Gültigkeit. Das sind doppelt so viele wie in einem durchschnittlichen Jahr – längere Wartezeiten in den Passämtern können die Folge sein. Zudem brauchen die neuen Reisepässe neue, biometrische Passfotos.

Thomas Jurecka

Die neuen Passfotos haben genaue Kriterien zu erfüllen. So muss das Foto 35mm breit und 45mm hoch sein. Der Kopf muss etwa 2/3 des Bildes einnehmen; der Augenabstand mindestens 8 mm betragen. Das Foto muss die Person mit neutralem Gesichtsausdruck, unverdeckten Augen, möglichst natürliche Wiedergabe der Hauttöne und geschlossenem Mund in einer Frontalaufnahme zeigen. Das Bundesministerium für Inneres hat alle wichtigen Merkmale zusammengefasst.

Da für die neuen Pässe biometrische Passbilder benötigt werden, die man weder am Automaten, noch selbst machen kann, rühren nun die NÖ Berufsfotografen die Werbetrommel. Sie haben das amtliche Plakat des Innenministeriums und der Staatsdruckerei ("Ist Ihr Reisepass noch gültig?") mit dem auffälligen Querbalken "Ihr Passbild aus Meisterhand" sowie dem Namen des jeweiligen Fotografen sowie Fotografenlogo, Passbildlogo und gegebenenfalls Meistersiegel versehen. Dieses Kombiplakat der Innung wurde nun vom Innenministerium bewilligt und wird landesweit eingesetzt – andere Bundesländer wollen die NÖ Initiative ebenfalls nutzen. Fotografen-Landesinnungsmeister Josef Henk, der das Musterplakat entworfen hat, ist zuversichtlich: "Ein vorschriftsmäßiges EU-Passbild muss zahlreiche Kriterien erfüllen – das schafft nur ein echter Berufsfotograf".

Ein eigenwilligen Zugang zu Passbildern hat indes der Berliner Künstler Thomas Kutschker. Für das Buchprojekt "N.N.-Passfotografien" sammelte er bei Fotografen in Berlin und Köln mehr als 400 Reste von Passfotos ein, von denen er 131 für das Buch auswählte. Kutschker lässt  alles weg, worauf es, glaubt man den Ratgebern, beim eigenen Passbild ankommt: den selbstbewussten Gesichtsausdruck, das gewinnende Lächeln, die strahlenden Augen oder den festen Blick. Der Bildrand wird zum Erzähler: Zwei Zentimeter grell bunte Krawatte, etwas knittriger Anzug, ein wenig Bluse mit Leopardenmuster, eine alte Brosche - das regt die Fantasie an und man beginnt über Leben und Beruf der (Nicht-)Abgebildeten nachzudenken. Das Buch ist beim Kölner Schaden Verlag erschienen.  +