Aktuell Wettbewerbe

Global Peace Photo Award: Mahdi Vaghari für das „Friedensbild des Jahres 2025“ ausgezeichnet

Das Friedensbild des Jahres 2025 stammt vom iranischen Fotokünstler Mahdi Vaghari. Foto: Mahdi Vaghari / Global Peace Photo Award 2025

Das Friedensbild des Jahres 2025 stammt vom iranischen Fotokünstler Mahdi Vaghari. Foto: Mahdi Vaghari / Global Peace Photo Award 2025

Am Abend wurden zum dreizehnten Mal die Gewinner und Gewinnerinnen des internationalen Fotowettbewerbs Global Peace Photo Award mit der Alfred-Fried-Friedensmedaille ausgezeichnet.

In Anwesenheit des japanischen Botschafters in Österreich Iwama Kiminori wurde die Keynote des Abends von Terumi Tanaka gehalten, dem Generalsekretär von Nihon Hidankyo, eine japanische Friedensorganisation, die mit dem Friedensnobelpreis 2024 ausgezeichnet wurde. Nihon Hidankyo wurde von Überlebenden der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki gegründet und setzt sich für die internationale nukleare Abrüstung ein.

Die Award Gala fand auf Einladung des Bürgermeisters der Stadt Wien Michael Ludwig, der vom Gemeinderat und Abgeordneten zum Wiener Landtag Omar Al-Rawi vertreten wurde, im bis zum letzten Platz gefüllten Wappensaal des Wiener Rathauses statt.

Preisträger des Global Peace Photo Awards 2025

Kinderkategorie:

Noa Hagemann aus Deutschland für „Meine Schwester“

Kategorie Einzelbilder:

Mahdi Vaghari aus dem Iran für „No one can take my Soul”

Kategorie Bildserien:

Fereshteh Eslahi aus dem Iran für „But we were so strong“

Diego Ibarra Sánchez aus Spanien für „LBN-On the roaring of the bus“

Ami Vitale aus den USA für „Kenya’s Black Rhino Revival“

In seiner Begrüßung betonte Omar Al-Rawi, der in Vertretung des Bürgermeisters der Stadt Wien Michael Ludwig gekommen war, wie wichtig es ist, in diesen Zeiten dem Frieden ein Forum zu bieten. Nur im Dialog werde es gelingen, die gegenwärtigen Kriege zu überwinden. Den Rahmen dafür können nur liberale Demokratien bilden, die die unterschiedlichen Standpunkte ohne auszugrenzen mit Klarheit zu beantworten wissen. Mit dem Global Peace Photo Award werden Fotografen und Fotografinnen ausgezeichnet, die mit der Linse „den Finger in die Wunde gelegt haben“.

Peace Image of the Year 2025

Der mit 7.000 Euro dotierte Hauptpreis „Peace Image of the Year 2025“ ging an den iranischen Fotokünstler Mahdi Vaghari für sein Bild „No one can take my Soul“.

Die Laudatio zu dem Bild stammt von Jurymitglied Peter-Matthias Gaede. Darin beschreibt er die Preiswürdigkeit der Arbeit von Mahdi Vaghari folgendermaßen:

„Und noch einmal eine iranische Frau. Und noch einmal eine Frau ohne Hijab. Keine Verschleierung, kein Verbergen. Keine Bescheidenheit, keine Traurigkeit. Eher Stolz auf das, was nicht gezeigt werden soll von einer Frau, auf dass sie die Männer nicht reizt. Ein Windstoß hat die prächtigen Haare dieser jungen Iranerin zu einem wilden Kranz aufgewirbelt. Sie geht gerade über eine Brücke, während ein Vogelschwarm den nahen Strand überfliegt. Freiheit auf zwei Ebenen.

Ein Bild von großer Kraft, das eigentlich – was Fotos so häufig nicht tun – ganz ohne Worte auskommt. Nur dass es im Iran entstanden ist, gibt ihm eben doch und einmal mehr eine besondere Bedeutung. Gemacht hat es ein Mann, der in unseren Breiten noch keine Bekanntheit hat: Mahdi Vaghari, geboren 1995 im Iran, der 2003 begonnen hat, sich für die Fotografie zu interessieren und sie sich vom Vater hat beibringen lassen.

Wer im Iran als Fotograf, als Fotografin tätig ist, hat es sicher mit ganz anderen Rahmenbedingungen zu tun als Fotoreporter bei uns. Zunächst mit einem anderen Verständnis von der Aufgabe der Medien. Mit einer anderen Art vielleicht auch, über Fotografie zu sprechen. So muss es dort, soll es nicht zur Konfrontation mit dem offiziellen Bild werden, das ein Land von sich haben soll, gewissermaßen übersetzt geschehen, nicht selten in Kunstprojekten verrätselt. Mit Andeutungen. Mit Symbolik. Offen für Interpretation. Und doch zugleich deutlich.

Ob das alles Madhi Vaghari umtrieben hat, wissen wir nicht. Er sah die fremde Frau bei einer Rast in der Nähe des Kaspischen Meeres, er fragte sie – „höflich“, wie er betont – , ob er sie fotografieren dürfe. Weil ihn der Wind im Haar, die ganze Szene an „Freiheit und Befreiung“ denken ließ. So einfach war das. So klar. „Niemand“, unterschrieb er sein Bild, so als spreche die Frau selber, „kann meine Seele besitzen“. 

„Authentische Emotionen“ wolle er einfangen, sagt Mahdi Vaghari. Und zwar in der Hoffnung, Aufmerksamkeit zu schaffen für alles, was die Welt schöner machen könne. Friedlicher. 

Mit Film- und Fotokamera ist Mahdi Vaghari unterwegs, hat an einigen Fotowettbewerben teilgenommen, die in Europa noch wenig bekannt sind. Bei einem Wettbewerb in Russland erhielt er in der Kategorie „Humans and nature“ einen zweiten Preis, in Polen gewann eines seiner Bilder bei einem Wettbewerb für „Humor und Satire“. In Tadschikistan und Afghanistan war er mit Bildern in Ausstellungen vertreten. Wien ist nun vermutlich der bisherige Höhepunkt in seinem Fotografen-Leben.“

V.l.n.r. Silvia Lammerhuber, Edition Lammerhuber; Hartwig Löger, Vienna Insurance Group (VIG); Omar Al-Rawi, Gemeinderat und Abgeordneten zum Wiener Landtag; Lois Lammerhuber, Edition Lammerhuber. Foto: Thomas Topf

Mahdi Vaghari wurde darüber hinaus in der Kategorie „Bestes Einzelbild“ ausgezeichnet. Das Preisgeld von 1.000 Euro wurde von der Photographischen Gesellschaft (PHG), der zweitältesten fotografischen Gesellschaft der Welt, zur Verfügung gestellt.

The Children’s Peace Image of the Year 2025

Das mit 1.000 Euro dotierte beste Friedensbild in der Kinder- und Jugendkategorie, „The Children’s Peace Image of the Year 2025“, gewann der achtjährige Noa Hagemann aus Deutschland mit seinem Bild „Meine Schwester“.

Nachfolgend die Laudatio von Peter-Matthias Gaede: „Es war in einem Zoo, und Lani, Noas fünfjährige Schwester, stand wie eine kleine Märchengestalt zwischen den Bäumen, sanft von Nebelschwaden umhüllt. Der gerade acht Jahre alt gewordene Noa fotografierte sie spontan. Was erwähnenswert ist, denn nicht selten positioniert und dirigiert der Junge seine Schwester auch für ein Bild. Er mag sie. Und er mag das Fotografieren, seit er im Alter von nicht einmal drei Jahren von seinen Eltern in Südafrika eine Kamera in die Hand bekam – und eines seiner Bilder im FAZ-Magazin veröffentlicht wurde. Ein ungewöhnlicher Frühstart. Wobei Noas Eltern nicht ganz unschuldig daran sein dürften: Sie sind beide professionelle Fotografen. 

Besonders bei Reisen und zu Ausflügen nimmt Noa immer eine alte Kamera mit, wie es inzwischen auch seine Schwester tut. Und in dem Jungen wuchs der Wunsch, auch mal an einem Wettbewerb teilzunehmen; er fotografierte fleißig dafür. Das hat er nun geschafft – und gleich mit durchschlagendem Erfolg. Und die sonstigen Interessen des mittelweile neunjährigen Jungen? „Fußball, Fußball, Fußball, Handball, Tischtennis“, sagt er.  Und nach ersten Gedanken zu einem zukünftigen Beruf gefragt, nennt er ebenfalls den Fußball, aber auch „Wissenschaftler“. Oder: „Fotograf“.

Das Verhältnis der Geschwister zueinander bezeichnet die Mutter als ein sehr Schönes, hilfreich für beide, zugewandt. Friedlich also. Was Frieden für Noa ist? „Dass alle glücklich sind“, sagt er, „dass keiner Streit hat und kein Krieg auf der Welt ist“.

V.l.n.r. Hartwig Löger; Lois Lammerhuber; Noa Hagemann; Sarah Wittmann, Jurymitglied; Werner BlachVorstandsdirektor UNICEF Österreich; Laura Ettel, LEICA Austria Foto: Thomas Topf

Bei der Gala erinnerte Lois Lammerhuber, mit seiner Frau Silvia Lammerhuber Initiator und Organisator de Global Peace Photo Award, daran, dass „Frieden nicht die Abwesenheit von Krieg ist, sondern etwas, das ich als ‚Gelungenes Leben‘ bezeichnen möchte.“ Mit all ihrer kreativen und künstlerischen Leidenschaft formulierten die Fotografen und Fotografinnen eine Ode an den Respekt vor der Zerbrechlichkeit unserer Welt, so Lammerhuber. „Sie beschwören die Beziehungen zwischen den Menschen und der Natur als eine Mission für ein verantwortungsvolles Leben. Mit ihren Talenten, ihrem Blick und ihren Visionen beschreiben sie jene gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die uns nicht mehr loslassen dürfen. Sie fesseln den Blick mit Fotografien, die vom Auge direkt im Herzen Wurzeln schlagen, und uns ermutigen, sich gegen die Gleichgültigkeit und den herrschenden Populismus zu wehren. Ein Appell an die Welt, der fest ins Herz unseres Awards eingeschrieben ist.“

In seiner Rede machte Werner Blach, Vorstandsdirektor von UNICEF Österreich, auf die Tatsache aufmerksam, dass stets Kinder die von Krisen aller Art am höchsten betroffen sind. Blach: „Die Konflikte rund um den Globus unterscheiden sich zwar in Ursache und Verlauf, aber sie haben eine gemeinsame, erschütternde Realität: Es sind immer die Kinder, die den höchsten Preis zahlen. Kinder, die keinerlei Schuld tragen! Sie müssen geschützt werden und brauchen dringend Frieden! Kinder haben Rechte – nicht irgendwann, nicht vielleicht – sondern immer.“

Die Preisträger der Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2025

Die Gewinner und Gewinnerinnen der mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotierten Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2025 sind:

Ami Vitale, USA: „Kenya’s Black Rhino Revival“

Peter-Matthias Gaede über Ami Vitale: „Seit 17 Millionen Jahren besiedeln sie den afrikanischen Kontinent, aber Wilderei mit einem Höhepunkt von den 1970er bis in die 1990er Jahre hat ihren zuvor schon arg angegriffenen Bestand um dramatische 96 Prozent dezimiert. Nur noch knapp 7000 Spitzmaulnashörner werden in freier Wildbahn südlich der Sahara vermutet. Ihr Verhängnis: Einem Pulver aus den zwei großen langen Hörnern auf ihrem Schädel wird in Teilen Asiens unverändert zugetraut, eine fiebersenkende, entgiftende, gar krebsheilende Wirkung zu haben – auch wenn das wissenschaftlich längst als kompletter Humbug enttarnt ist. 

Frieden mit der Natur zu machen, den Reichtum der Artenvielfalt nicht zu zerstören: Das ist noch immer oder immer mehr eine ganz schwierige Aufgabe. Und glücklicherweise gibt es Institutionen und Menschen, die sich dieser Aufgabe stellen, mitunter sogar eine Regierung.

Kenia hat 16 Refugien für Spitzmaulnashörner eingerichtet. Und damit den Bestand, der in diesem ostafrikanischen Land von über 20.000 auf nur noch knapp 300 Exemplare geschrumpft war, wieder auf etwa 1.000 erhöhen können. Aber 2.000 gelten als Minimum, um das Überleben der Art langfristig zu sichern.

Die US-amerikanische Fotografin Ami Vitale, seit vielen Jahren mit dem Thema Artenschutz befasst, hat die komplizierte Umsiedlung von 21 gefährdeten Spitzmaulnashörnern in das Loisaba-Reservat im Norden Kenias begleitet und war auch in anderen Reservaten unterwegs.  

Inbegriff des Friedens, den die sich ausschließlich von Pflanzen ernährenden Tiere hier wieder finden können, ist für Ami Vitale jene Szene, in der sie das Nashorn Bruno unter einem Regenbogenhimmel im Ol Pejeta-Reservat ruhen sah. 

Was Vitale besonders beeindruckte, war, dass die Rettung der bedrohten Tiere in Kenia nicht allein Sache von Rangern, Experten, Tierärzten ist. Sie hat das Engagement vielmehr wahrgenommen als Sache auch vieler lokaler Gemeinschaften, die Stolz auf die besonderen Geschöpfe der Natur empfänden und Interesse an Schulungen in Biodiversität und dem Erhalt von Ökosystemen entwickelten. Das sowie die Bedeutung des Ökotourismus für Kenia lassen nicht nur Vitale auf ein Happy End im Artenschutz des Landes hoffen.

Ami Vitale, Jahrgang 1971, hat an der University of North Carolina sowie der University of Miami studiert und arbeitete danach als Bildredakteurin für Associated Press in New York und Washington, bevor sie sich entschloss, selber Fotoreporterin zu werden. Zunächst ging sie nach Guinea-Bissau, dann für Jahre nach Indien; ihre Reportagen wurden in GEO, National Geographic und anderen renommierten Medien veröffentlicht. Während sie in über 90 Ländern unterwegs war, verdichtete sich ihr Interesse auf das Verhältnis von Mensch und Tier und dabei vor allem auf die Gefahren für den Erhalt der Artenvielfalt. Vitale gewann eine Reihe der weltweit namhaftesten Preise; die Bedeutung ihrer Arbeit wird inzwischen mit jener von Frauen wie Jane Goodall oder Christiane Amanpour verglichen. Sie gibt Workshops in den USA, Europa und Asien; ihre Bilder sind in bedeutenden Museen zu sehen, auch Dokumentarfilme würdigen ihr Schaffen.

Dieses Foto von Bruno, einem vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashorn, das unter einem Regenbogen in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia ruht, symbolisiert Widerstandsfähigkeit, Hoffnung und den Triumph der Naturschutzbemühungen. Die Spitzmaulnashörner Kenias, die einst durch Wilderei fast ausgerottet worden wären, haben sich dank umfangreicher Naturschutzinitiativen wieder erholt, wodurch ihre Population von nur 200 auf heute über 1.000 Tiere angewachsen ist. Die Umsiedlung von Bruno und anderen Nashörnern in die Loisaba Conservancy markiert ein neues Kapitel bei der Erweiterung und Sicherung ihrer Lebensräume in Kenia. Dieses Bild würdigt nicht nur diesen Erfolg im Naturschutz, sondern erinnert uns auch daran, dass es Hoffnung für die Zukunft gefährdeter Arten und letztlich auch für die Menschheit gibt, wenn wir neu darüber nachdenken, wie wir mit Wildtieren koexistieren können. Foto: Ami Vitale / Global Peace Photo Award

Fereshteh Eslahi, Iran: „But we were so strong

Peter-Matthias Gaede: „Im Mai 2025 scheiterte noch der Versuch des Mullah-Regimes, die Kopftuchpflicht für Frauen im Land zu verschärfen. Im Oktober dann die Nachricht, dass allein in der Hauptstadt Teheran 80.000 neu rekrutierte „Sittenwächter“ die Einhaltung der islamischen Kleiderordnung konsequenter durchsetzen sollen. Begründung des Leiters der Behörde zur Förderung ethischer Normen: „Jede Tendenz zum Säkularismus“ sowie „soziale Gleichgültigkeit“ sollen damit bekämpft werden.

Und doch: Seit den landesweiten Protesten im Jahr 2022, seit dem Aufschwung der Frauenbewegung unter dem Motto „Women, life, freedom“ lassen sich immer mehr iranische Frauen nicht mehr diktieren, mit einem Kopftuch ihre Haare zu bedecken, mit langen Jacken ihre Körperkonturen. Und dies Verfolgung und Arreststrafen zum Trotz. Es ist ein Aufruhr, aber einer, der sich friedlich äußert und ein friedliches Verlangen hat. Einzig die Akzeptanz, dass sich Frauen als Frauen nicht verstecken müssen, dass Weiblichkeit nicht als Provokation zu gelten hat und in der Öffentlichkeit nicht verborgen werden muss – sondern nichts anderes als selbstverständliches  Menschenrecht ist.

Mutig ist dieses Verlangen gleichwohl. Und immer mehr Frauen im Iran, die jungen zumal, haben diesen Mut. Die Tänzerin auf dem Dach, ihr Sprung mit ausgebreiteten Armen, ist Ausdruck einer Hoffnung, sich von Diktaten aller Art befreien zu können. Eingefangen hat diese Szene die iranische Fotografin Fereshteh Eslahi, die den Alltag iranischer Frauen mit der Kamera studiert. Es sind oft sehr unspektakuläre Szenen, Details, die aber die Vielfalt von Verhaltensweisen zeigen.

Und die auch auf stille Art zeigen, was Eslahi in einem preisgekrönten Foto-Projekt ganz anderer Art herausgearbeitet hat. 2021 gewann sie einen World Press Photo Award mit der Langzeitbegleitung eines nach einem Sportunfall querschnittsgelähmten Mannes, dem die Ärzte nicht mehr zutrauten, noch einmal etwas anderes als seine Augenlider bewegen zu können. Und dann schaffte er viel mehr, als ihm zugetraut wurde. Mit Ausdauer, Selbstbewusstsein, Kraft und Zuversicht.

Diese Zuversicht sieht Eslahi auch in den Frauen, die sie fotografiert. Eslahi hat ein Masterstudium an der Universität von Teheran absolviert. Seit 2014 arbeitet sie für iranische Foto-Agenturen, seit 2017 ist sie Mitglied einer iranischen Pressefotografen-Vereinigung, seit 2020 auch einer auf Sport konzentrierten Fotografen-Agentur. Die Komplexität menschlicher Natur, so steht es in Ihrer Selbstbeschreibung, sei das, was sie bei jedem Thema bewege.“

Ein Bild aus der Fotoserie „But we were so strong“ von Fereshteh Eslahi, Iran. Foto: Fereshteh Eslahi / Global Peace Photo Award

Diego Ibarra Sánchez, Spanien: „LBN: On the roaring of the bus

Peter-Matthias Gaede: „Als DP, Displaced Persons, wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs all jene Menschen zusammengefasst, die sich jenseits ihrer Heimat befanden; vertrieben, deportiert, auf der Flucht. Displaced Persons gibt es seither in vielen Ländern der Welt, fast auf allen Kontinenten, in nahezu jedem Krieg, ob grenzüberschreitend oder im Inneren eines Landes. Und so gibt es sie auch im Libanon, aktuell verursacht, durch die wechselseitigen Angriffe der Hisbollah auf Israel und israelische Gegenschläge. Im Oktober 2024 waren es rund 94.000 Menschen im Südlibanon:  darunter auch etwa 30.000 Kinder. 

Um Mädchen und Jungen wenigstens für Momente aus dem Strudel von Angst und Schrecken zu befreien, hat der Fotograf Houssam Khatab einen bunten Bus organisiert, den „Art Peace Bus“, gefahren von syrischen Flüchtlingen, in dem die Kinder der Stadt Tyros, der viertgrößten des Libanon, in einen alten Theater-Palast gefahren werden, wo sie mit verschiedenen Darbietungen und Workshops unterhalten werden sollen. Meist kommen sie aus Notunterkünften, Kriegslärm in ihren Ohren. Im Bus sollen sie das Lachen wiederentdeckten, wenigstens kurz, sollen sie Unbeschwertheit genießen, Energie gewinnen, werden ihnen Lieder vorgesungen. 

„Viele der Kinder haben alles verloren“, sagt der Schauspieler und Direktor des Theaters, Kassem Istambouli, „wir versuchen, den Kriegskreislauf zu unterbrechen und den Kindern Kunst anzubieten als ein Fenster zu größerer Widerstandsfähigkeit.“

Der 1982 geborene spanische Fotograf Diego Ibarra Sánchez, der im Libanon lebt und arbeitet, ist in dem Friedensbus mitgefahren, um Kinder in einem Augenblick der Ausgelassenheit zu fotografieren. Als Fotograf und Dokumentar-Filmer will Sánchez, wie er sagt, mehr erreichen, als nur Ereignisse abzulichten. Er will vor allem zum Nachdenken über den Zustand unserer Welt anregen. Diese Welt hat er unter anderem in Lateinamerika abgebildet, später in afrikanischen Ländern, auch in Afghanistan und vor allem in Pakistan, bevor der Libanon seine Basis für weitere Reisen nach Syrien, in der Irak und auch in die Ukraine wurde. Seine Arbeiten sind in der New York Times erschienen, im Spiegel und der NZZ, dazu in diversen Fernsehkanälen. Ausstellungen hatte Sánchez bereits in vielen Ländern Europas, außerdem in den USA und Mexiko. Auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und UNICEF haben Reportagen von ihm gezeigt.“

Tyrus, Libanon. Am 23. April 2024 tanzt Aline Mustafa al Sayyed aus Beit Leef an Bord des „Peace Art Bus“, während dieser zum Libanesischen Nationaltheater fährt. Aline und ihre Familie sind seit Kriegsbeginn auf der Suche nach einer Unterkunft. Am liebsten wäre sie in Beit Leef. Sie Sie malt, tanzt und lernt gerne und ist eine gute Schülerin. Foto: Diego Ibarra Sánchez für NPR / Global Peace Photo Award