Wie bist du zur Fotografie gekommen und wie sah dein Weg in die Selbstständigkeit aus?
Eva Kelety: Ich bin inzwischen seit 21 Jahren selbstständig als Fotografin in den Bereichen Business-Portraits, Employer Branding und Architekturfotografie tätig. Bereits im Volksschulalter wollte ich eine eigene Kamera. Damals habe ich viel Taschengeld für diese typischen Blitzkuben aus den 80er- und 90er-Jahren ausgegeben, bei denen man viermal blitzen konnte und sie dann entsorgen musste. Mit 14 Jahren wurde ich dann an der „Graphischen“ im Zweig Fotografie aufgenommen.
Nach meiner Ausbildung habe bei Red Bull Photofiles gearbeitet, bevor ich mich selbständig gemacht habe.
Wie wird man Innungsmeisterin und was war deine persönliche Motivation, dich für dieses Amt zu bewerben?
Der Weg dorthin führt über eine klassische demokratische Wahl. Ich habe mich für die Wirtschaftskammerwahl 2025 aufgestellt und hatte ein fantastisches Team im Rücken. Wir haben diese Wahl gewonnen. Nur drei Monate später folgte die Wahl zur Bundesinnungsmeisterin, für die ich mich ebenfalls beworben und das Mandat erhalten habe.
Was mich angetrieben hat? Ich wollte in der Innung der Berufsfotografie ganz gezielt etwas verändern. Mir geht es um Kommunikation auf Augenhöhe, um echte Transparenz und um mehr Gerechtigkeit – das sind diegrundlegenden Werte, für die ich persönlich einstehe.
Was leistet die Innung konkret für die Berufsfotografen und -fotografinnen?
Unsere Palette an Leistungen und Angeboten ist sehr breit gefächert. Auf der einen Seite organisieren wir zahlreiche Veranstaltungen für unsere Mitglieder. Dazu gehören Fachvorträge und Kooperationen. Eine besonders erfolgreiche Reihe ist z.B. „Im Fokus“, die in Kooperation mit dem Leica Store Vienna und dem Festival La Gacilly – Baden Photo stattfindet. Dort laden wir internationale Branchengrößen ein, die über ihre Arbeit sprechen, damit unsere Mitglieder wertvolle Einblicke in die weltweite Fotoszene erhalten. Auf der anderen Seite bieten wir praxisnahe Workshops zu aktuellen Themen wie der künstlichen Intelligenz oder rechtlichen Aspekten an, wobei wir eng mit dem Rechtsschutzverband (RSV) kooperieren.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich aktiv an die Innung zu wenden?
Ich rate allen, die mit dem Gedanken spielen, sich im Bereich der Fotografie selbstständig zu machen, schon im Vorfeld den Kontakt zur Innung zu suchen und sich umfassend zu informieren. Wenn es später im Berufsalltag zu Schwierigkeiten oder Problemen kommt, sind wir ebenfalls die erste Anlaufstelle. Wir helfen in den unterschiedlichsten Bereichen– sei es bei juristischen Hürden über unseren RSV oder bei anderen individuellen Fragen und wir sind telefonisch oder per Mail erreichbar. .
Die Technologie entwickelt sich rasant. Wie beurteilst du die aktuelle Lage der Berufsfotografie im Spannungsfeld von Social Media und künstlicher Intelligenz?
Die größte Herausforderung bei der künstlichen Intelligenz liegt zweifellos darin, dass sich diese Technologie so unglaublich schnell weiterentwickelt, dass man kaum hinterherkommt. Für uns Berufsfotografinnen und Berufsfotografen kommt es jetzt darauf an, genau hinzusehen: Was bringt uns wirklich einen Nutzen? Wo können wir KI als Werkzeug im eigenen Workflow integrieren? Man sollte am Ball bleiben, sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen und entsprechende Informationsangebote nutzen. Wir als Innung versuchen auf verschiedensten Kanälen aufzuklären und bieten Vorträge und gezielte Workshops an, wie beispielsweise vor Kurzem mit namhaften Expert:innen wie Ines Thomsen und Martin Dörsch.
Im Jahr 2013 fiel in Österreich die Meisterpflicht, und die Fotografie wurde generell zu einem freien Gewerbe. Wie hat das den Markt verändert?
Ja, das reglementierte Gewerbe wurde 2013 abgeschafft, seither ist die Berufsfotografie ein gänzlich freies Gewerbe, für das man allerdings weiterhin eine Gewerbeberechtigung haben muss, sobald man fotografisch tätig ist. Seit dieser Gewerbeöffnung hat sich unsere Mitgliederzahl in etwa verdoppelt. Das bedeutet natürlich einerseits spürbar mehr Konkurrenz im selben geografischen Gebiet. Andererseits ist aber auch der allgemeine Bedarf an Bildern im Zuge von Social Media und Content Creation massiv gestiegen. Es werden heute ungleich mehr Fotos gebraucht als noch vor 2013. Am Ende hält sich das also die Waage. Ich bin überzeugt: Für Fotografinnen und Fotografen, die ihr Handwerk ernsthaft, mit Leidenschaft und in hoher Qualität betreiben, wird es immer einen Markt geben.
Viele Kreative tun sich schwer mit dem unternehmerischen Part. Bietet die Innung hier Unterstützung?
Wir bieten regelmäßig Workshops zu diesen geschäftlichen Themen an. Zudem gibt es immer wieder sehr gute, nicht-fotografiespezifische Weiterbildungen der Wirtschaftskammer Wien, die sich speziell an Ein-Personen-Unternehmen (EPU) richten. Das kaufmännische Denken ist oft eine Hürde, weil wir in erster Linie Kreative sind. Ich beobachte immer wieder, dass manche Kolleginnen und Kollegen leider ein geringes Selbstwertgefühl haben und sich deshalb unter Wert verkaufen. Sobald man aber lernt, auf einer soliden kalkulatorischen Basis zu rechnen, sieht man schnell: Zu diesen niedrigen Preisen geht sich die eigene Existenz am Ende des Monats gar nicht aus. Ein betriebswirtschaftliches Verständnis hilft dabei, angemessene Honorare zu kalkulieren und dann auch durchzusetzen, was schlussendlich der gesamten Branche zugutekommt und sie stärkt.
Gibt es typische Faktoren bei der Preiskalkulation, die gerade von Einsteigern unterschätzt werden?
Die größten Posten, die unterschätzt werden, sind die Vorbereitung und die Nachbereitung eines Auftrags. Ein reiner Fototermin mag vielleicht mit zwei Stunden vor Ort veranschlagt sein. Doch im Vorfeld schreibt man E-Mails, führt ausführliche Telefonate und betreibt unter Umständen sogar ein Location-Scouting. Nach dem Shooting müssen die Daten gesichtet, sortiert, professionell bearbeitet und schließlich so archiviert werden, dass sie auch nach Jahren noch auffindbar und – im Idealfall dreifach – gesichert sind. Das alles summiert sich schnell zu etlichen Stunden. Auch die Anfahrt wird bei der Kalkulation gerne vergessen. Ich rate gerade jungen Kolleginnen und Kollegen dazu, jeden Aufwand aufzuschreiben – selbst ein dreiminütiges Telefonat inklusive Notizen –, um ein realistisches Gefühl für den tatsächlichen zeitlichen Gesamtaufwand zu entwickeln.
Wie wichtig ist in diesem Kontext das Netzwerken und der kollegiale Austausch?
Dieser Austausch untereinander ist von unschätzbarem Wert. Ich empfehle gerade der jüngeren Generation dringend, aktiv den Kontakt zu älteren, erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu suchen. Unsere Innungsveranstaltungen bieten dafür den perfekten Rahmen. Nach den Fachvorträgen gibt es immer ausreichend Zeit für das persönliche Kennenlernen und das Networking, was man unbedingt nutzen sollte.
Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wo steht die Berufsfotografie in 5 bis 10 Jahren? Wird uns die KI am Ende überflüssig machen?
Nein, es wird ganz sicher weiterhin Berufsfotografinnen und Berufsfotografen geben. Die KI wird niemals echte Fotos machen können. Fotografie bedeutet per Definition „mit Licht zeichnen“. Es braucht dafür immer Licht, das auf einen Sensor oder ein lichtempfindliches Material trifft. Künstliche Intelligenz kann Bilder generieren, aber niemals ein Foto im klassischen Sinne machen.
Gerade im gehobenen Qualitätssegment und im Bereich der Portraitfotografie wird die kreative, menschliche Instanz unersetzlich bleiben. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob man sich vor eine automatisierte Kamera mit Selbstauslöser stellt oder ob ein empathischer Mensch hinter dem Sucher steht, der auf das Gegenüber eingeht, die Situation spürt und genau erkennt, was die portraitierte Person in diesem Moment braucht. Das Gleiche gilt für die Pressefotografie, wo es um die ehrliche, empathische Dokumentation eines realen, erlebten Moments geht. Für all das braucht es emotionale Intelligenz und Empathie – Eigenschaften, die eine KI niemals besitzen wird.
Welchen Rat möchtest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die heute am Anfang ihrer fotografischen Laufbahn stehen?
Wenn die Fotografie deine echte Leidenschaft ist, dann mach es unbedingt! Immer wenn Menschen etwas mit Leidenschaft machen, haben sie das Potenzial, darin richtig gut zu werden. Für Qualität, Leidenschaft und ein hohes Engagement gibt es auf dem Markt immer einen Platz. Es ist heute zweifelsohne schwieriger und kompetitiver als noch vor einigen Jahren, aber es bleibt ein wunderschöner Beruf.
Wie man das Handwerk erlernt, ist Typsache. Manche entwickeln sich autodidaktisch hervorragend weiter, andere bevorzugen strukturierte Workshops, eine klassische Lehre oder Ausbildungen wie an der Graphischen, der Ortweinschule oder auf den Universitäten. Das Allerwichtigste ist jedoch, täglich und extrem viel zu fotografieren, sich intensiv mit den eigenen Bildern auseinanderzusetzen und sich professionelles Feedback einzuholen. Die eigene Großmutter wird vom Foto des Enkelkinds immer begeistert sein. Deshalb ist es essenziell, sich Kritik von Menschen aus dem Fach zu holen.
Eine fantastische Möglichkeit dafür sind Portfolio-Reviews. Wir bieten sie immer wieder im Rahmen der Innung an, aber es gibt sie auch auf internationaler Ebene. Dort bekommt man in zwanzigminütigen Gesprächen direktes Feedback von Fotograf:innen, Kurator:innen oder Fotoredakteur:innen. Mit diesen Erkenntnissen arbeitet man weiter, verfeinert sein das Portfolio und holt sich erneut Feedback. Das ist der beste Weg, um sich kontinuierlich und substanziell weiterzuentwickeln.
Wie sieht deine persönliche Prognose für die mittelfristige Zukunft der Berufsfotografie aus?
Der Mensch, seine Empathie und sein gestalterisches Gespür werden der wichtigste Kern der Fotografie bleiben. Technisch gesehen werden wir in den kommenden Jahren Möglichkeiten dazubekommen, an die wir heute noch gar nicht denken.
Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass die Fotografie dadurch insgesamt an Qualität gewinnen wird. Im absoluten Billigsegment wird man vermutlich bald keine Berufsfotograf:innen mehr buchen, weil dort ein schnell generiertes KI-Bild als „gut genug“ empfunden wird. Überall dort aber, wo es um echte, hohe Qualität und Authentizität von Marken und Menschen geht, wird die Nachfrage der Kunden steigen. Und die fortschreitende Technik wird uns als Profis in die Lage versetzen, genau diese geforderte Spitzenqualität auch abzuliefern.
Das Interview führten Cliff Kapatais und Klaus Lorbeer.
Wie bist du zur Fotografie gekommen und wie sah dein Weg in die Selbstständigkeit aus?
Eva Kelety: Ich bin inzwischen seit 21 Jahren selbstständig als Fotografin in den Bereichen Business-Portraits, Employer Branding und Architekturfotografie tätig. Bereits im Volksschulalter wollte ich eine eigene Kamera. Damals habe ich viel Taschengeld für diese typischen Blitzkuben aus den 80er- und 90er-Jahren ausgegeben, bei denen man viermal blitzen konnte und sie dann entsorgen musste. Mit 14 Jahren wurde ich dann an der „Graphischen“ im Zweig Fotografie aufgenommen.
Nach meiner Ausbildung habe bei Red Bull Photofiles gearbeitet, bevor ich mich selbständig gemacht habe.
Wie wird man Innungsmeisterin und was war deine persönliche Motivation, dich für dieses Amt zu bewerben?
Der Weg dorthin führt über eine klassische demokratische Wahl. Ich habe mich für die Wirtschaftskammerwahl 2025 aufgestellt und hatte ein fantastisches Team im Rücken. Wir haben diese Wahl gewonnen. Nur drei Monate später folgte die Wahl zur Bundesinnungsmeisterin, für die ich mich ebenfalls beworben und das Mandat erhalten habe.
Was mich angetrieben hat? Ich wollte in der Innung der Berufsfotografie ganz gezielt etwas verändern. Mir geht es um Kommunikation auf Augenhöhe, um echte Transparenz und um mehr Gerechtigkeit – das sind
diegrundlegendenWerte, für die ich persönlich einstehe.Was leistet die Innung konkret für die Berufsfotografen und -fotografinnen?
Unsere Palette an Leistungen und Angeboten ist sehr breit gefächert. Auf der einen Seite organisieren wir zahlreiche Veranstaltungen für unsere Mitglieder. Dazu gehören Fachvorträge und Kooperationen. Eine besonders erfolgreiche Reihe ist z.B. „Im Fokus“, die in Kooperation mit dem Leica Store Vienna und dem Festival La Gacilly – Baden Photo stattfindet. Dort laden wir internationale Branchengrößen ein, die über ihre Arbeit sprechen, damit unsere Mitglieder wertvolle Einblicke in die weltweite Fotoszene erhalten. Auf der anderen Seite bieten wir praxisnahe Workshops zu
aktuellen Themen wie der künstlichen Intelligenz oder rechtlichen Aspekten an, wobei wir eng mit dem Rechtsschutzverband (RSV) kooperieren.Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich aktiv an die Innung zu wenden?
Ich rate allen, die mit dem Gedanken spielen, sich im Bereich der Fotografie selbstständig zu machen, schon im Vorfeld den Kontakt zur Innung zu suchen und sich umfassend zu informieren. Wenn es später im Berufsalltag zu Schwierigkeiten oder Problemen kommt, sind wir ebenfalls die erste Anlaufstelle. Wir helfen in den unterschiedlichsten Bereichen– sei es bei juristischen Hürden über unseren RSV oder bei anderen individuellen Fragen und
wirsind telefonisch oder per Mail erreichbar..Die Technologie entwickelt sich rasant. Wie beurteilst du die aktuelle Lage der Berufsfotografie im Spannungsfeld von Social Media und künstlicher Intelligenz?
Die größte Herausforderung bei der künstlichen Intelligenz liegt zweifellos darin, dass sich diese Technologie so unglaublich schnell weiterentwickelt, dass man kaum hinterherkommt. Für uns Berufsfotografinnen und Berufsfotografen kommt es jetzt darauf an, genau hinzusehen: Was bringt uns wirklich einen Nutzen? Wo können wir KI als Werkzeug im eigenen Workflow integrieren? Man sollte am Ball bleiben, sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen und entsprechende Informationsangebote nutzen. Wir als Innung versuchen auf verschiedensten Kanälen aufzuklären und bieten Vorträge und gezielte Workshops an, wie beispielsweise vor Kurzem mit namhaften Expert:innen wie Ines Thomsen und Martin Dörsch.
Im Jahr 2013 fiel in Österreich die Meisterpflicht, und die Fotografie wurde generell zu einem freien Gewerbe. Wie hat das den Markt verändert?
Ja, das reglementierte Gewerbe wurde 2013 abgeschafft, seither ist die Berufsfotografie ein gänzlich freies Gewerbe, für das man allerdings weiterhin eine Gewerbeberechtigung haben
muss, sobald man fotografisch tätig ist. Seit dieser Gewerbeöffnung hat sich unsere Mitgliederzahl in etwa verdoppelt. Das bedeutet natürlich einerseits spürbar mehr Konkurrenz im selben geografischen Gebiet. Andererseits ist aber auch der allgemeine Bedarf an Bildern im Zuge von Social Media und Content Creation massiv gestiegen. Es werden heute ungleich mehr Fotos gebraucht als noch vor 2013. Am Ende hält sich das also die Waage. Ich bin überzeugt: Für Fotografinnen und Fotografen, die ihr Handwerk ernsthaft, mit Leidenschaft und in hoher Qualität betreiben, wird es immer einen Markt geben.Viele Kreative tun sich schwer mit dem unternehmerischen Part. Bietet die Innung hier Unterstützung?
Wir bieten regelmäßig Workshops zu diesen geschäftlichen Themen an. Zudem gibt es immer wieder sehr gute, nicht-fotografiespezifische Weiterbildungen der Wirtschaftskammer Wien, die sich speziell an Ein-Personen-Unternehmen (EPU) richten. Das kaufmännische Denken ist oft eine Hürde, weil wir in erster Linie Kreative sind. Ich beobachte immer wieder, dass manche Kolleginnen und Kollegen leider ein geringes Selbstwertgefühl haben und sich deshalb unter Wert verkaufen. Sobald man aber lernt, auf einer soliden kalkulatorischen Basis zu rechnen, sieht man schnell: Zu diesen niedrigen Preisen geht sich die eigene Existenz am Ende des Monats gar nicht aus. Ein betriebswirtschaftliches Verständnis hilft dabei, angemessene Honorare zu kalkulieren und dann auch durchzusetzen, was schlussendlich der gesamten Branche zugutekommt und sie stärkt.
Gibt es typische Faktoren bei der Preiskalkulation, die gerade von Einsteigern unterschätzt werden?
Die größten Posten, die unterschätzt werden, sind die Vorbereitung und die Nachbereitung eines Auftrags. Ein reiner Fototermin mag vielleicht mit zwei Stunden vor Ort veranschlagt sein. Doch im Vorfeld schreibt man E-Mails, führt ausführliche Telefonate und betreibt unter Umständen sogar ein
Location-Scouting. Nach dem Shooting müssen die Daten gesichtet, sortiert, professionell bearbeitet und schließlich so archiviert werden, dass sie auch nach Jahren noch auffindbar und – im Idealfall dreifach – gesichert sind. Das alles summiert sich schnell zu etlichen Stunden. Auch die Anfahrt wird bei der Kalkulation gerne vergessen. Ich rate gerade jungen Kolleginnen und Kollegen dazu, jeden Aufwand aufzuschreiben – selbst ein dreiminütiges Telefonat inklusive Notizen –, um ein realistisches Gefühl für den tatsächlichen zeitlichen Gesamtaufwand zu entwickeln.Wie wichtig ist in diesem Kontext das Netzwerken und der kollegiale Austausch?
Dieser Austausch untereinander ist von unschätzbarem Wert. Ich empfehle gerade der jüngeren Generation dringend, aktiv den Kontakt zu älteren, erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu suchen. Unsere Innungsveranstaltungen bieten dafür den perfekten Rahmen. Nach den Fachvorträgen gibt es immer ausreichend Zeit für das persönliche Kennenlernen und das Networking, was man unbedingt nutzen sollte.
Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wo steht
die Berufsfotografie in 5 bis 10 Jahren? Wird uns die KI am Ende überflüssig machen?Nein, es wird ganz sicher weiterhin Berufsfotografinnen und Berufsfotografen geben. Die KI wird niemals echte Fotos machen können. Fotografie bedeutet per Definition „mit Licht zeichnen“. Es braucht dafür immer Licht, das auf einen Sensor oder ein lichtempfindliches Material trifft. Künstliche Intelligenz kann Bilder generieren, aber niemals ein Foto im klassischen Sinne machen.
Gerade im gehobenen Qualitätssegment und im Bereich der Portraitfotografie wird die kreative, menschliche Instanz unersetzlich bleiben. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob man sich vor eine automatisierte Kamera mit Selbstauslöser stellt oder ob ein empathischer Mensch hinter dem Sucher steht, der auf das Gegenüber eingeht, die Situation spürt und genau erkennt, was die portraitierte Person in diesem Moment braucht. Das Gleiche gilt für die Pressefotografie, wo es um die ehrliche, empathische Dokumentation eines realen, erlebten Moments geht. Für all das braucht es emotionale Intelligenz und Empathie – Eigenschaften, die eine KI niemals besitzen wird.
Welchen Rat möchtest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die heute am Anfang ihrer fotografischen Laufbahn stehen?
Wenn die Fotografie deine echte Leidenschaft ist, dann mach es unbedingt! Immer wenn Menschen etwas mit Leidenschaft machen, haben sie das Potenzial, darin richtig gut zu werden. Für Qualität, Leidenschaft und ein hohes Engagement gibt es auf dem Markt immer einen Platz. Es ist heute zweifelsohne schwieriger und kompetitiver als noch vor einigen Jahren, aber es bleibt ein wunderschöner Beruf.
Wie man das Handwerk erlernt, ist Typsache. Manche entwickeln sich autodidaktisch hervorragend weiter, andere bevorzugen strukturierte Workshops, eine klassische Lehre oder Ausbildungen wie an der Graphischen, der Ortweinschule oder auf den Universitäten. Das Allerwichtigste ist jedoch, täglich und extrem viel zu fotografieren, sich intensiv mit den eigenen Bildern auseinanderzusetzen und sich professionelles Feedback einzuholen. Die eigene Großmutter wird vom Foto des Enkelkinds immer begeistert sein. Deshalb ist es essenziell, sich Kritik von Menschen aus dem Fach zu holen.
Eine fantastische Möglichkeit dafür sind Portfolio-Reviews. Wir bieten sie immer wieder im Rahmen der Innung an, aber es gibt sie auch auf internationaler Ebene. Dort bekommt man in zwanzigminütigen Gesprächen direktes Feedback von Fotograf:innen, Kurator:innen oder Fotoredakteur:innen. Mit diesen Erkenntnissen arbeitet man weiter, verfeinert
seindas Portfolio und holt sich erneut Feedback. Das ist der beste Weg, um sich kontinuierlich und substanziell weiterzuentwickeln.Wie sieht deine persönliche Prognose für die mittelfristige Zukunft der Berufsfotografie aus?
Der Mensch, seine Empathie und sein gestalterisches Gespür werden der wichtigste Kern der Fotografie bleiben. Technisch gesehen werden wir in den kommenden Jahren Möglichkeiten dazubekommen, an die wir heute noch gar nicht denken.
Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass die Fotografie dadurch insgesamt an Qualität gewinnen wird. Im absoluten Billigsegment wird man vermutlich bald keine Berufsfotograf:innen mehr buchen, weil dort ein schnell generiertes KI-Bild als „gut genug“ empfunden wird. Überall dort aber, wo es um echte, hohe Qualität und Authentizität von Marken und Menschen geht, wird die Nachfrage der Kunden steigen. Und die fortschreitende Technik wird uns als Profis in die Lage versetzen, genau diese geforderte Spitzenqualität auch abzuliefern.
Das Interview führten Cliff Kapatais und Klaus Lorbeer.
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