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SWPA Open Competition: Christy Lee Rogers über ihr Siegerbild

Mit diesem Bild errang Christy Lee Rogers den ertsen Platz in der Open Competition und wurde Open Photographer of the Year. (c) Christy Lee Rogers/USA, Open Competition, Kategorie Motion (Bewegung); 2019 Sony World Photography Awards

Das Siegerbild, das bei den Sony World Photography Awards für großes Aufsehen sorgte, war »Harmony« von Christy Lee Rogers aus Hawaii. Von seiner Ästhetik her erinnert es stark an barocke Deckengemälde, auf denen die Figuren   scheinbar schwerelos schwebend die opulente Szenerie beherrschen. 

Ganz falsch ist dieser Eindruck nicht. Die Models schweben tatsächlich, allerdings nicht am Himmel, sondern unter Wasser. Dennoch ist das Foto keine wirkliche Unterwasseraufnahme, denn die Fotografin selbst befand sich keineswegs unter Wasser, sondern fotografierte von außerhalb des Wassers annähernd senkrecht durch die Wasseroberfläche hindurch. 

Mit diesem Bild errang Christy Lee Rogers den ertsen Platz in der Open Competition und wurde Open Photographer of the Year. (c) Christy Lee Rogers/USA, Open Competition, Kategorie Motion (Bewegung); 2019 Sony World Photography Awards
Mit diesem Bild errang Christy Lee Rogers den ersten Platz in der Open Competition und wurde Open Photographer of the Year. (c) Christy Lee Rogers/USA, Open Competition, Kategorie Motion (Bewegung); 2019 Sony World Photography Awards

FOTOobjektiv: Christy, wie haben Sie Spiegelungen der Oberfläche vermieden?

Christy Lee Rogers: Ich shoote grundsätzlich immer nachts. Aber nachdem es bei den Settings so viele Lichtquellen und Bewegungen gibt, ist es mehr ein experimenteller Prozess. Ich biege und breche eine Reihe von Regeln, um diese Fotos zu bekommen. Absolute Perfektion strebe ich in dieser Hinsicht auch gar nicht an, aber ich arbeite seit mittlerweile 15 Jahren an dieser Art von Bildern. 

Worin besteht die Schwierigkeit?  

Die Modells müssen präzise im Licht sein. Ein wenig daneben, und es ist bereits viel zu dunkel. Ist zuviel Bewegung drin, sind sie bereits nicht mehr im Fokus. Die Kunst besteht in der feinen Balance – das erfordert höchste Konzentration aller Beteiligten. Bevor ich die eigentlichen Aufnahmen mache, üben wir zudem einige Stunden die Bewegungen, die Positionen, usw.  Meine Arbeit beginnt allerdings noch weit früher, denn ich investiere sehr viel Zeit in die Auswahl der richtigen Stoffe. Üblicherweise shoote ich in sehr tiefen Pools, sodass ich einen dunklen Hintergrund habe. 

Sie shooten nicht im Meer? An das denkt man bei Hawaii zuerst.  

Ich habe es probiert. Aber da gibt es eine Reihe von Problemen vom Salzwasser angefangen bis zu den Haien. Pools sind gut, denn die kann man beheizen. Die Shootings dauern Stunden, und die Models müssen sich wohlfühlen. Es ist sehr experimentell, und fühlt sich für mich fast wie ein Wissenschaftsprojekt an. 

Das Licht muss sich ebenfalls unter Wasser befinden? 

Ja, aber nicht nur. Manchmal habe ich zusätzliche Quellen außerhalb. Wenn ich nur auf eine Person fokussiere, reichen Unterwasserlichtquellen meist aus. Für das Ausleuchten der gesamten Szenerie nicht. Wenn Sie genau schauen, sehen sie auf diesem Bild den Grund des Pools.  

Wieviele Lichtquellen hatten Sie bei diesem Foto hier? 

Etliche. Unterwasser waren es zwei, und für das Fülllicht zusätzliche außerhalb.    

Das Bild wirkt wie ein Gemälde. 

Ja, es hat eine gewisse Weichzeichnung. Je tiefer sich etwas im Wasser befindet, wie zum Beispiel der Fuß, desto verschommener erscheint es. 

Sie arbeiteten mit einer sehr kurzen Belichtungszeit? 

Ja, nicht zu kurz, aber kurz genug. Ich variiere während des Shootings und finde so die beste Belichtungszeit. Belichtungsmesser benutze ich keine. Es kommt auch sehr auf die Models an, und wie gut diese innehalten können.  

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der ebenfalls versuchen möchte derartige Unterwasseraufnahmen anzufertigen? 

(lacht) Oh, da wird man tausende Fehler machen, aber für mich war das der aufregende Bestandteil, das herauszufinden. Was ich empfehlen kann: Benutz deine Augen, und verlasse dich nicht nur auf die Technik! Es geht gar nicht so sehr um die Technik, sondern vor allem um Kommunikation.   

Haben Sie auch selbst tauchend aufgenommen?  

Ich hab es probiert. Ich hab alles ausprobiert: filmen, im Meer shooten, selbst unterwasser sein, tagsüber – aber das war alles nichts für mich. Für meinen Stil muss es nachts sein, und von der Oberfläche aus. Ich mag das Spiel mit der Oberfläche und ich mag auch die Luftbläschen. 

Die eigentliche Kunst besteht allerdings darin, die richtigen Models zu finden, sie zu instruieren und zu koordinieren. Sie müssen lange die Luft anhalten, dürfen dabei aber nicht angestrengt aussehen.     

Vielen Dank für das Gespräch! 

Das Gespräch führte Andreas Hussak.

Update:

Wer mehr wissen möchte: auf der Homepage www.christyleerogers.com sind nicht nur zahlreiche weitere Arbeiten aus verschiedenen Serien zu bestaunen, die Künstlerin hat auch eine Reihe von Videos online gestellt, die sie begleitend bei ihrer Arbeit zeigen – von der Auswahl der richtigen Stoffe bis hin zu den eigentlichen Shooting-Nächten. Ein Besuch der Webseite lohnt sich auf alle Fälle!

Die Sony World Photography Awards Ausstellung im Somerset House lief von 18. April bis 6. Mai 2019. Die weiteren Tourdaten danach sind: