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UNICEF-Foto des Jahres 2025

Elise Blanchard: die zehnjährige Hajira zuhause beim Lernen. Aus der Serie "Girlhood in Afghanistan". (c) Elise Blanchard

Elise Blanchard: die zehnjährige Hajira zuhause beim Lernen. Aus der Serie "Girlhood in Afghanistan". (c) Elise Blanchard

Das diesjährige UNICEF-Foto des Jahres stammt aus der Reportage „Girlhood in Afghanistan” der französische Fotojournalistin Elise Blanchard. Sie ist einer der wenigen Augenzeugen, die seit Jahren in Afghanistan arbeiten und dort die Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen dokumentieren – sei es in Kabul und in entlegenen Bergdörfern, in Nähereien und Edelsteinschleifereien, in heimlichen Schulen. Das Siegerfoto zeigt die zehnjährige Hajira beim stillen Lernen in ihrem Zuhause in einem abgelegenen Dorf in der Provinz Nangarhar, östlich von Kabul. 

Elise Blanchard hat sie in einer Gesundheitsstation getroffen, wo dem Mädchen nach monatelanger Krankheit geholfen wurde. Gemeinsam mit einer Übersetzerin begleitete sie sie über einen Fluss und steinige Pfade zurück in ihr Dorf, in dem Hajira mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen lebt.

„Das diesjährige Siegerbild führt uns vor Augen, was Kindheit für viele Mädchen in Afghanistan bedeutet: Sie müssen um etwas kämpfen, das selbstverständlich sein sollte – das Recht zu lernen“, sagte Elke Büdenbender, Schirmherrin von UNICEF Deutschland, bei der Preisverleihung in Berlin. „Elise Blanchard schenkt uns mit Hajiras eindringlichem Blick einen Moment der Neugier und Entschlossenheit. Er erinnert uns daran, dass wir Kinder wie sie nicht allein lassen dürfen.“

„Elise Blanchards Arbeit zeigt, was journalistisches Erzählen im besten Falle vermag: Sie schafft Empathie, Respekt und Nähe“, sagte Peter-Matthias Gaede, Juryvorsitzender und Mitglied des Deutschen Komitees von UNICEF. „In Blanchards Bild des Mädchens Hajira wird ein oft so abstrakter Begriff ganz konkret: Menschenwürde.“ 

In Afghanistan bleibt derzeit mehr als 2,2 Millionen Mädchen der Schulbesuch verwehrt. Während der Unterricht in den Grundschulen weiterhin möglich ist, dürfen Mädchen ab dem Sekundarschulalter offiziell nicht mehr lernen. Doch auch für Buben verschlechtert sich der Zugang zu Bildung zunehmend: Die Zahl der Einschulungen stagniert, viele Kinder verlassen die Schule vorzeitig. Afghanistans Kinder, gerade Mädchen, verlieren weit mehr als Unterrichtsstunden – sie verlieren soziale Kontakte, persönliche Entwicklung und die Chance, ihre Zukunft selbst zu gestalten.

Der zweite Preis: Luftverschmutzung in der Mongolei

Natalya Saprunova: aus der Reportage „Mongolia’s Children at Risk“ (c) Natalya Saprunova

Der zweite Preis geht in diesem Jahr an ein Bild aus der Reportage „Mongolia’s Children at Risk: The Devastating Impact of Air Pollution“. Die in Russland geborene und in Frankreich lebende Fotografin Natalya Saprunova hat in ihren Aufnahmen festgehalten, wie die Luftverschmutzung in der Mongolei auch Kinder trifft. 

Der Binnenstaat Mongolei, einst berühmt für seinen „heiligen blauen Himmel“, hat ein gravierendes Umweltproblem, und es betrifft vor allem die Bevölkerung von Ulaanbaatar. Es ist die Feinstaubbelastung, die beim Verbrennen der Kohle, die für etwa 70 Prozent der Energiegewinnung steht, zu katastrophalen Auswirkungen führt. 

In einem Kindergarten der Hauptstadt sind Luftfilter aufgestellt, um die Schadstoffkonzentration zu mildern. Vierjährige Mädchen werden mit Atemwegserkrankungen in Hospitäler eingewiesen, die Lungen von Kleinkindern werden geröntgt, jedes Jahr sterben Dutzende Menschen an Kohlenmonoxid-Vergiftungen.

Der dritte Preis: Verletzte Kinderrechte in Indien

Sourav Das: aus der Reportage „„Children in Jharia’s coal mines lose childhood to smoke, fire, and endless survival“ (c) Sourav Das

Der indische Fotograf Sourav Das hat schon mit vielen Reportagen das Schicksal von Kindern dokumentiert, die unter härtesten Bedingungen um ihr Überleben ringen. 

Der dritte Preis geht an ein Bild seiner Reportage „Children in Jharia’s coal mines lose childhood to smoke, fire, and endless survival“ über eine Kindheit in Jharia, berüchtigt als „the burning city““ Die indische Stadt ist seit rund hundert Jahren bekannt als eines der größten Kohlefelder Indiens.

Manchen Kindern hat sich der Kohlestaub tief in die Gesichter gegraben, während sie über die Halden laufen oder aus den Eingängen zu den Kohlestollen kommen. Nach indischem Gesetz ist Kinderarbeit unter 14 Jahren verboten. Geahndet aber werden Verstöße dagegen noch immer selten. 

Für sieben weitere Reportagen gab es ehrenvolle Erwähnungen 

  • Afghanistan: Was die Gesichter verraten – Fotograf: Arez Ghaderi, Iran
  • Gaza: Die Flucht, der Hunger, der Schmerz – Fotograf: Saher Alghorra, Gaza, Palästina (ZUMA Press)
  • Großbritannien: Miss Vogue – Fotografin: Emilie Toldam, Dänemark
  • Iran: Yeganehs Schritte ins Leben – Fotograf: Hossein Beris, New York (Middle East Images)
  • Südafrika: Wenn auf dem Schulweg Schüsse fallen – Fotografin: Laura Pannack, Großbritannien
  • Ukraine: Aufwachsen im Krieg – Fotograf: Sandro Maddalena, Italien
  • Ukraine: „Ich hoffe, Deine Familie ist sicher“– Fotografin: Anya Tsaruk, Ukraine

Eine Ausstellung mit allen prämierten Arbeiten ist bis Ende Jänner 2026 im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin zu sehen. Anschließend sind sie vom 30. Jänner bis 26. April 2026 für die allgemeine Öffentlichkeit im Willy-Brandt-Haus zugänglich.

Info zum UNICEF Foto des Jahres 

Mit der Auszeichnung UNICEF Foto des Jahres prämiert UNICEF Deutschland seit dem Jahr 2000 Fotos und Fotoreportagen, die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern weltweit auf herausragende Weise dokumentieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Nominierung durch eine international renommierte Fotografie-Expertin oder einen international renommierten Fotografie-Experten. Über die Preisvergabe entscheidet eine unabhängige Jury.

Eine Übersicht aller ausgezeichneten Fotoreportagen finden Sie unter www.unicef.de/foto.