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Cliff Kapatais: PixelTalk

Cliff Kapatais ist Fotograf, Autor und Event-Veranstalter (c) Cliff Kapatais/Pixelcoma

Cliff Kapatais ist Fotograf, Autor und Event-Veranstalter (c) Cliff Kapatais/Pixelcoma

Zum Glück hatte ich als Fotograf Backups. Mehrere. Lokal, extern, teilweise redundant. Am Ende war der Schaden überschaubar. Aber dieser kurze Moment dazwischen, dieses Innehalten, hat gesessen. Weil es mir gezeigt hat, wie erschreckend fragil unsere Erinnerungen geworden sind.

Wir leben in der Illusion, dass alles gespeichert ist. Dass nichts verloren geht. Cloud hier, Festplatte da, Handy immer in der Tasche. Aber die Wahrheit ist: Ein kaputter Rechner, ein verlorenes Smartphone, ein gehackter Account, eine Plattform, die pleitegeht, und ganze Lebensabschnitte lösen sich auf. Urlaube. Kindheit. Beziehungen. Projekte. Gesichter.

Früher war ein Foto ein Objekt. Etwas, das man anfassen konnte. Ein Album im Regal, ein Karton am Dachboden, ein Buch im Bücherregal. Heute sind Erinnerungen Datenpakete. Flüchtig. Abhängig von Strom, Software-Versionen und Passwörtern, die wir längst vergessen haben.

Und es gibt noch mehr Sollbruchstellen: Social-Media-Plattformen, auf denen ganze Karrieren liegen, ohne Besitzanspruch. Clouds, bei denen niemand garantieren kann, was in fünf oder zehn Jahren noch existiert. Dateiformate, die irgendwann nicht mehr lesbar sind. Unsere Zeit wird perfekt dokumentiert und gleichzeitig war sie nie so vergänglich.

Die Ironie daran: Das Einzige, was wirklich überdauert, ist oft das Altmodische. Gedruckte Fotos oder Bücher. Dinge, die keinen Akku brauchen und kein Update verlangen. Ein Bild an der Wand überlebt jeden Server-Ausfall. Ein Buch im Regal ist auch in 50 Jahren noch lesbar, wenn jemand danach greift.

Was tun?

Erstens: Backups ernst nehmen. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Mehrfach, an unterschiedlichen Orten.
Zweitens: Nicht alles der Cloud überlassen.
Drittens, und das ist vielleicht der wichtigste Punkt: wieder mehr physisch denken. Fotobücher machen, Bilder drucken und Arbeiten archivieren. Spuren hinterlassen, die nicht von einem Login abhängen.

Denn Erinnerungen sind mehr als Daten. Sie sind Teil unserer Identität. Und vielleicht ist genau das der philosophische Kern dieser Erfahrung: Je digitaler unser Leben wird, desto bewusster müssen wir entscheiden, was wir wirklich bewahren wollen.

Nicht alles muss gespeichert werden, aber das Wesentliche verdient mehr als eine Festplatte.

Was meinen Sie? Schreiben Sie uns unter pixel.talk@fotoobjektiv.at.