Die Global-Peace-Photo-Award-Preisträgerin 2026 Silvia Alessi (links) neben dem Gewinnerbild. Überreicht haben den Preis (v.l.n.r.) Vorstandsdirektorin Vienna Insurance Group Sonja Raus, Lois Lammerhuber, Silvia Lammerhuber sowie Christoph Jünger, Geschäftsführer UNICEF Österreich (c) Johannes Zinner/Global Peace Photo Award
Am 24. September 2026 wurden zum vierzehnten Mal die Gewinner und Gewinnerinnen des internationalen Fotowettbewerbs Global Peace Photo Award mit der Alfred-Fried-Friedensmedaille ausgezeichnet. Von den 27.846 Einreichungen kamen die meisten aus Indien, USA, China, Italien, Deutschland, Frankreich, Nigeria, Russland, Bangladesh und Pakistan. Das Friedensbild des Jahres ist mit 6.000 Euro dotiert.
In einem einzigen Foto hat die italienische Fotografin Silvia Alessi das Aufbegehren gegen die Unterdrückung von Frauen, einen Moment der Befreiung und die Sehnsucht, Frieden mit dem Leben machen zu können, festgehalten. Es sind aus Afghanistan nach Pakistan geflüchtete Frauen, von denen hier jede demonstrativ und selbstbewusst einen Föhn in die Luft reckt.
Das Friedensbild „The Cut“ des Jahres 2026 stammt von Silivia Alessi. Foto: Silvia Alessi / Global Peace Photo Award
Die seit 2021 in Afghanistan regierenden islamistischen Taliban weiten die Unterdrückung von Frauen in diesem Land stetig aus – so dürfen Frauen und Mädchen nicht studieren und die Schule ist extrem eingescheränkt. Jetzt werden auch zunehmend Berufe verboten, die Frauen noch Arbeitsmöglichkeiten boten, wie beispielsweise Schönheitssalons. Dieser Berug ist nun ebenfalls illegal.
Doch das, was in Afghanistan verboten ist und dort nicht gelernt werden kann, eignen sich junge geflüchtete Frauen nun in Pakistan an – in Klassenräumen mit Spiegeln, Friseur-Utensilien, Mannequin-Bedarf. Jeder Föhn eine Waffe im Kampf um Selbstbestimmung, Identität und Sichtbarkeit, um Teilhabe und das Recht, einen Beruf zu wählen.
Frieden, sagt Silvia Alessi, sei für die von ihr fotografierten Frauen alles andere als abstrakt. Sie hielten ein Werkzeug der Selbstermächtigung in ihren Händen.
Silvia Alessi wurde darüber hinaus in der Kategorie „Bestes Einzelbild“ ausgezeichnet. Das Preisgeld von 1.000 Euro wurde von der Photographischen Gesellschaft (PHG), der zweitältesten fotografischen Gesellschaft der Welt, zur Verfügung gestellt.
The Children’s Peace Image of the Year 2026
Das mit 1.000 Euro dotierte beste Friedensbild in der Kinder- und Jugendkategorie, „The Children’s Peace Image of the Year 2024“, gewann die elfjährige Sesilia Shainadze aus Georgien mit ihrem Bild „My Family“.
Den „Children’s Peace Image of the Year 2024“ gewann die elfjährige Sesilia Shainadze aus Georgien. Foto: Sesilia Shainadze/ Global Peace Photo Award
Dazu Jurymitglied Peter-Matthias Gaede in seiner Laudatio: „Das ausgezeichnete Bild zeigt eine Szene im Haus der Großmutter, wo Sesilia mit ihr, mit Onkel, Tante, Cousinen und ihrem Hund ein Bühnenbild arrangiert hat, das ganz ihre eigene Idee war. Sie liebt es, dass bei ihrer Großmutter immer viel los ist, fröhlich und bunt.
Frieden sei ja nicht nur die Abwesenheit von Krieg, er beginne, wo sich Familien in Wärme, Liebe, Zuwendung und Glück begegneten. Für sei, für Sesilia, sei das ihre gegenwärtige Vorstellung von einer friedlichen Welt.“
Die Jury fand den Gestaltungswillen von Sesilia, die Umsetzung ihrer Idee aus all den Zufalls-Schnappschüssen, die sie auch zu bewerten hatte, hervorstechend und überdies so hübsch humorvoll. Inklusive der Rollenverteilung bei der Hausarbeit mit dem immerhin das Geschirr spülenden Mann.
Die beiden Hauptpreise wurden von Sonja Raus, Vorstandsdirektorin der Vienna Insurance Group (VIG) und Silvia Lammerhuber, geschäftsführende Inhaberin der Edition Lammerhuber, übergeben.
Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2026
Die weiteren Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2026 verbunden mit einem Preisgeld von je 1.000 Euro erhielten Antonio Denti aus Italien für „Il Mare in Mezzo (Das Meer in der Mitte)“ und Aleksandra Kossowska aus Polen für „The World by Touch“ (Eine Welt durch Berührung) und Mahmoud Abu Hamda aus Palästina für „Wings of Childhood and Peace“ (Die Flügel der Kindheit).
Nachfolgend die Laudationes von Peter-Matthias Gaede zu den einzelnen Serien:
Das Meer in der Mitte:Antonio Denti, Italien: Il Mare in Mezzo (The Sea In Between)
Frieden machen mit dem Meer, das viele von ihnen in traumatischer Erinnerung haben. Das ist das Ziel einer Initiative in der Nähe von Rom, bei der Migrantinnen aus Afrika mit ihren in Italien geborenen Kindern die Angst vor dem Wasser verlieren sollen. Das Mittelmeer war für sie ein lebensbedrohliches Element, als sie es in fragilen Schiffen überqueren mussten, eine Art zweite Wüste nach ihrer Route durch die nordafrikanische Dürre. Und nicht selten eine tödliche Barriere zwischen der Heimat und dem erträumten Ziel in Europa.
Der italienische Dokumentarfilmer und Fotograf Antonio Denti hat Migranten auf diesem Weg begleitet und sie nun, teils Jahre später, von zuhause bis an den Strand und in die Tiefe bei ihren Anstrengungen verfolgt, die Scheu vor dem Wasser zu verlieren, das Meer nicht mehr als Feind zu empfinden.
Eingefangen hat er dabei Augenblicke der Entspannung, des Genießens, der Wagnis wie auch solche, die noch immer anmuten, als sei die Furcht noch nicht verschwunden und besiegt.
Für Denti, 1972 im sizilianischen Catania geboren, ist es eine moderne Odyssee, deren Zeuge er bei dem abenteuerlichen Weg übers Meer wurde. Allerdings ein Epos ohne Dichter, also blanke Realität. Respekt gegenüber den Menschen, die er fotografiert, ist dabei ein Schlüsselwort für ihn. Er sei ja ein Eindringling in das Leben anderer, und so müsse er wenigstens für Momente zu spüren versuchen, was sie selber spürten. Fotografie müsse ein Ausdruck von Humanität sein, sagt er. Denti studierte zunächst Anthropologie an der University of London, befasste sich also mit der Wissenschaft vom menschlichen Zusammenleben, bevor er begann, dieses Leben mit der Kamera zu beobachten. Oder besser: direkt an ihm teilzunehmen. Für die Agentur Reuters arbeitete er im Kosovo, in Afghanistan, dem Irak, in Israel und Gaza. Er coverte überdies den Beginn des „arabischen Frühlings“ in Tunesien, Naturkatastrophen und die Migrationsbewegungen der Gegenwart, war zudem auf Papst-Reisen dabei. Dentis Werk ist bereits vielfach international ausgestellt und ausgezeichnet worden.
Antonio Denti/Italien: Serie „Il Mare in Mezzo“ (Das Meer in der Mitte)“ Foto: Antonio Denti / Global Peace Photo Award
Eine Welt durch Berührung:Aleksandra Kossowska, Polen: The World by Touch
Aufzuwachsen in einer Welt, die von Beginn an unsichtbar ist. Das Begreifen der Welt durch Berührung, Töne, Texturen, Gerüche – und nirgendwo Licht. Blindheit in Bilder zu fassen, hat auch die polnische Fotografin Aleksandra Kossowska nicht vermocht. Die Sternenwolken, die sie den Schwarz-Weiß-Fotos blinder oder schwer sehbehinderter Kinder in einer Schule im äthiopischen Sebeta, südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba, hinzugefügt hat, sind ihr Versuch einer Übersetzung. Sie visualisieren eine Aura, vielleicht Erkenntnisblitze, die auch ohne das Sehen möglich sind. Vielleicht Gefühle. Vielleicht eine Interaktion zwischen Innen- und Außenwelt. Vielleicht auch etwas von Sehenden nur schwer zu Benennendes.
Alexandra Kossowska hat die Navigation der Kinder im Unsichtbaren erlebt, aus einem kargen Schutzraum heraus, in ärmlichen Mehrbettzimmern, fern von ihren Familien. Aber doch immerhin nicht alleingelassen, von Fürsorge und Entschlossenheit umgeben. Und vom Verlangen geprägt, Unabhängigkeit in der Welt der Sehenden zu erlangen.
Die Fotografin versteht ihre Arbeit nicht zuletzt als „Einladung“ an uns, mitzufühlen. Statt auszublenden. Sie sagt: „Die Welt berührt uns, wenn wir sie berühren.“ Damit auch für die Kinder greifbar wurde, was sie mit den Bildern machte, perforierte sie die Fotos von Hand, mit kleinen Punkten und zarten Linien. Ein winzig kleines Angebot, Frieden zu machen mit dem Handicap. Mit dem Moment – und später vielleicht sogar mit dem Leben.
In Warschau wohnend, ist die 48 Jahre alte Fotografin nach einem Studium der Archäologie sowie der Fotografie unter anderem Mitgründerin von Poleczki.art, eines Centrums, das Galerie, Bibliothek, Studio und Lehrräume für gegenwärtige Fotografie vereint. Neben vielfachen Auszeichnungen war sie auch bei Ausstellungen von Osteuropa bis in die USA vertreten.
Aleksandra Kossowska/Polen: Serie „The World by Touch“ Foto: Aleksandra Kossowska/Global Peace Photo Award
Die Flügel der Kindheit: Mahmoud Abu Hamda, Gaza/Palästina: Wings of Childhood and Peace
Bilder von einer Kindheit in Gaza mit einem Friedenspreis auszuzeichnen, muss auf den ersten Blick verwundern. Kaum irgendwo anders in den vergangenen Jahren haben schließlich gerade Kinder so fürchterlich unter Bomben, Zerstörung, Flucht, Hunger, Angst, Verwundungen, dem Verlust von Eltern, Geschwistern, Freundinnen und Freunden gelitten.
Und doch und selbst hier und selbst in den Trümmerlandschaften ist ein Kinderlachen zu sehen, spielt ein Junge Geige, schaukeln und toben Jungs und Mädchen, sitzen fröhlich beieinander, schaffen sich kleine Plätze für Ausgelassenheit, kümmern sich um ein Haustier, behaupten ihr Leben selbst an dunkelsten Orten, spielen. Kindheit hier, das zeigt der palästinensische Fotograf Mahmoud Abu Hamda in seinen anrührenden Bildern, ist nicht komplett verschwunden, nicht vollständig ausgelöscht. Sie hat sich nur unter immensem Druck zu behaupten. Tapferkeit inklusive und sicher auch die Fähigkeit, vergessen und verdrängen zu können.
Mahmoud Abu Hamda hat den Bildern dieser Serie den Titel „Die Flügel von Kindheit und Frieden“ gegeben. Flügel, die mindestens äußerlich nicht verbrannt oder gebrochen sind – sondern noch hinaustragen können selbst aus dem Krieg. Und dorthin, wo es um Menschenwürde unverletzlich ist.
Hamda, 36 Jahre alt, hat am University College of Applied Sciences eine Ausbildung in Multimedia erhalten und später einen Lehrauftrag in Fotografie an der University of Gaza innegehabt. Er widmete sich Naturaufnahmen und Food-Fotografie und bis zum Kriegsbeginn allen Facetten des Alltagslebens in Gaza. Dann allerdings erfuhr er Vertreibung und Not auch in der eigenen Familie und wurde beim Bombardement eines Hochhauses durch die israelische Luftwaffe selber verletzt. Hat Hunger fotografiert, während er selber hungerte.
Die international führende Fotografen-Agentur Magnum ehrte Hamda bereits mit einer großen Veröffentlichung. Ausgestellt wurde seine Arbeit unter anderem in Amsterdam, ausgezeichnet 2023 mit einem der renommierten Lucia Awards. Die Bilder beschwingter Kinder – vielleicht hat sie Hamda auch deshalb gesucht, weil er, wie er in einem Interview mit Magnum einmal sagte, zwischen allem Elend auch manchmal einen Ort brauche, um auszuruhen. „Um zu atmen.“
Mahmoud Abu Hamda/Palästina: Serie „Wings of Childhood and Peace“ Foto: Mahmoud Abu Hamda/ lobal Peace Photo Award
„Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg“
Lois Lammerhuber, der gemeinsam mit seiner Frau Silvia Lammerhuber den Global Peace Photo Award initiiert hat und seit Anbeginn organisiert, erinnerte daran, dass „Frieden nicht die Abwesenheit von Krieg ist, sondern etwas, das ich als „Gelungenes Leben“ bezeichnen möchte. Mit all ihrer kreativen und künstlerischen Leidenschaft formulierten die Fotografen und Fotografinnen eine Ode an den Respekt vor der Zerbrechlichkeit unserer Welt, so Lammerhuber. „Sie fesseln den Blick mit Fotografien, die vom Auge direkt im Herzen Wurzeln schlagen, und uns ermutigen, sich gegen die Gleichgültigkeit und den herrschenden Populismus zu wehren. Ein Appell an die Welt, der fest ins Herz unseres Awards eingeschrieben ist.“
Christoph Jünger, Geschäftsführer von UNICEF Österreich, betonte in seiner Rede: „Kinder und Jugendliche erleben die Auswirkungen von Konflikten, Krisen und gesellschaftlichen Spannungen oft besonders unmittelbar. Umso wichtiger ist es, ihnen Raum zu geben, ihre Sicht auf die Welt sichtbar zu machen.“ Die Beiträge zum Children‘s Peace Image of the Year zeigten eindrucksvoll, wie junge Menschen Frieden verstehen, erleben und gestalten, so Jünger.
Die Keynote des Abends hielt Cornelius Obonya, Schauspieler und Regisseur, Ehrenbeauftragter von UNICEF Österreich.
Gruppenfoto der Gewinner und Gewinnerinnen sowie der Jurymitglieder des Global Peace Photo Award 2026. Foto: Johannes Zinner/Global Peace Photo Award
Über den Global Peace Photo Award 2026
Zum Global Peace Photo Award 2026 wurden 27.846 Einreichungen aus 144 Ländern eingereicht. Die meisten Einreichungen kamen aus Indien, USA, China, Italien, Deutschland, Frankreich, Nigeria, Russland, Bangladesh und Pakistan. Juriert wurden die Einreichungen von einer hochkarätigen, internationalen Jury (https://globalpeacephotoaward.org/jury).
Der Global Peace Photo Award wird in Kooperation von Edition Lammerhuber, Photographischer Gesellschaft (PHG), UNESCO, Österreichischem Parlament, der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure, des Internationalen Press Institute (IPI), World Press Photo Foundation, POY LATAM, APA – Austria Presse Agentur, der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), Unicef Austria und Vienna Insurance Group ausgelobt.
Am 24. September 2026 wurden zum vierzehnten Mal die Gewinner und Gewinnerinnen des internationalen Fotowettbewerbs Global Peace Photo Award mit der Alfred-Fried-Friedensmedaille ausgezeichnet. Von den 27.846 Einreichungen kamen die meisten aus Indien, USA, China, Italien, Deutschland, Frankreich, Nigeria, Russland, Bangladesh und Pakistan. Das Friedensbild des Jahres ist mit 6.000 Euro dotiert.
In einem einzigen Foto hat die italienische Fotografin Silvia Alessi das Aufbegehren gegen die Unterdrückung von Frauen, einen Moment der Befreiung und die Sehnsucht, Frieden mit dem Leben machen zu können, festgehalten. Es sind aus Afghanistan nach Pakistan geflüchtete Frauen, von denen hier jede demonstrativ und selbstbewusst einen Föhn in die Luft reckt.
Die seit 2021 in Afghanistan regierenden islamistischen Taliban weiten die Unterdrückung von Frauen in diesem Land stetig aus – so dürfen Frauen und Mädchen nicht studieren und die Schule ist extrem eingescheränkt. Jetzt werden auch zunehmend Berufe verboten, die Frauen noch Arbeitsmöglichkeiten boten, wie beispielsweise Schönheitssalons. Dieser Berug ist nun ebenfalls illegal.
Doch das, was in Afghanistan verboten ist und dort nicht gelernt werden kann, eignen sich junge geflüchtete Frauen nun in Pakistan an – in Klassenräumen mit Spiegeln, Friseur-Utensilien, Mannequin-Bedarf. Jeder Föhn eine Waffe im Kampf um Selbstbestimmung, Identität und Sichtbarkeit, um Teilhabe und das Recht, einen Beruf zu wählen.
Frieden, sagt Silvia Alessi, sei für die von ihr fotografierten Frauen alles andere als abstrakt. Sie hielten ein Werkzeug der Selbstermächtigung in ihren Händen.
Silvia Alessi wurde darüber hinaus in der Kategorie „Bestes Einzelbild“ ausgezeichnet. Das Preisgeld von 1.000 Euro wurde von der Photographischen Gesellschaft (PHG), der zweitältesten fotografischen Gesellschaft der Welt, zur Verfügung gestellt.
The Children’s Peace Image of the Year 2026
Das mit 1.000 Euro dotierte beste Friedensbild in der Kinder- und Jugendkategorie, „The Children’s Peace Image of the Year 2024“, gewann die elfjährige Sesilia Shainadze aus Georgien mit ihrem Bild „My Family“.
Dazu Jurymitglied Peter-Matthias Gaede in seiner Laudatio: „Das ausgezeichnete Bild zeigt eine Szene im Haus der Großmutter, wo Sesilia mit ihr, mit Onkel, Tante, Cousinen und ihrem Hund ein Bühnenbild arrangiert hat, das ganz ihre eigene Idee war. Sie liebt es, dass bei ihrer Großmutter immer viel los ist, fröhlich und bunt.
Frieden sei ja nicht nur die Abwesenheit von Krieg, er beginne, wo sich Familien in Wärme, Liebe, Zuwendung und Glück begegneten. Für sei, für Sesilia, sei das ihre gegenwärtige Vorstellung von einer friedlichen Welt.“
Die Jury fand den Gestaltungswillen von Sesilia, die Umsetzung ihrer Idee aus all den Zufalls-Schnappschüssen, die sie auch zu bewerten hatte, hervorstechend und überdies so hübsch humorvoll. Inklusive der Rollenverteilung bei der Hausarbeit mit dem immerhin das Geschirr spülenden Mann.
Die beiden Hauptpreise wurden von Sonja Raus, Vorstandsdirektorin der Vienna Insurance Group (VIG) und Silvia Lammerhuber, geschäftsführende Inhaberin der Edition Lammerhuber, übergeben.
Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2026
Die weiteren Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2026 verbunden mit einem Preisgeld von je 1.000 Euro erhielten Antonio Denti aus Italien für „Il Mare in Mezzo (Das Meer in der Mitte)“ und Aleksandra Kossowska aus Polen für „The World by Touch“ (Eine Welt durch Berührung) und Mahmoud Abu Hamda aus Palästina für „Wings of Childhood and Peace“ (Die Flügel der Kindheit).
Nachfolgend die Laudationes von Peter-Matthias Gaede zu den einzelnen Serien:
Das Meer in der Mitte: Antonio Denti, Italien: Il Mare in Mezzo (The Sea In Between)
Frieden machen mit dem Meer, das viele von ihnen in traumatischer Erinnerung haben. Das ist das Ziel einer Initiative in der Nähe von Rom, bei der Migrantinnen aus Afrika mit ihren in Italien geborenen Kindern die Angst vor dem Wasser verlieren sollen. Das Mittelmeer war für sie ein lebensbedrohliches Element, als sie es in fragilen Schiffen überqueren mussten, eine Art zweite Wüste nach ihrer Route durch die nordafrikanische Dürre. Und nicht selten eine tödliche Barriere zwischen der Heimat und dem erträumten Ziel in Europa.
Der italienische Dokumentarfilmer und Fotograf Antonio Denti hat Migranten auf diesem Weg begleitet und sie nun, teils Jahre später, von zuhause bis an den Strand und in die Tiefe bei ihren Anstrengungen verfolgt, die Scheu vor dem Wasser zu verlieren, das Meer nicht mehr als Feind zu empfinden.
Eingefangen hat er dabei Augenblicke der Entspannung, des Genießens, der Wagnis wie auch solche, die noch immer anmuten, als sei die Furcht noch nicht verschwunden und besiegt.
Für Denti, 1972 im sizilianischen Catania geboren, ist es eine moderne Odyssee, deren Zeuge er bei dem abenteuerlichen Weg übers Meer wurde. Allerdings ein Epos ohne Dichter, also blanke Realität. Respekt gegenüber den Menschen, die er fotografiert, ist dabei ein Schlüsselwort für ihn. Er sei ja ein Eindringling in das Leben anderer, und so müsse er wenigstens für Momente zu spüren versuchen, was sie selber spürten. Fotografie müsse ein Ausdruck von Humanität sein, sagt er. Denti studierte zunächst Anthropologie an der University of London, befasste sich also mit der Wissenschaft vom menschlichen Zusammenleben, bevor er begann, dieses Leben mit der Kamera zu beobachten. Oder besser: direkt an ihm teilzunehmen. Für die Agentur Reuters arbeitete er im Kosovo, in Afghanistan, dem Irak, in Israel und Gaza. Er coverte überdies den Beginn des „arabischen Frühlings“ in Tunesien, Naturkatastrophen und die Migrationsbewegungen der Gegenwart, war zudem auf Papst-Reisen dabei. Dentis Werk ist bereits vielfach international ausgestellt und ausgezeichnet worden.
Eine Welt durch Berührung: Aleksandra Kossowska, Polen: The World by Touch
Aufzuwachsen in einer Welt, die von Beginn an unsichtbar ist. Das Begreifen der Welt durch Berührung, Töne, Texturen, Gerüche – und nirgendwo Licht. Blindheit in Bilder zu fassen, hat auch die polnische Fotografin Aleksandra Kossowska nicht vermocht. Die Sternenwolken, die sie den Schwarz-Weiß-Fotos blinder oder schwer sehbehinderter Kinder in einer Schule im äthiopischen Sebeta, südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba, hinzugefügt hat, sind ihr Versuch einer Übersetzung. Sie visualisieren eine Aura, vielleicht Erkenntnisblitze, die auch ohne das Sehen möglich sind. Vielleicht Gefühle. Vielleicht eine Interaktion zwischen Innen- und Außenwelt. Vielleicht auch etwas von Sehenden nur schwer zu Benennendes.
Alexandra Kossowska hat die Navigation der Kinder im Unsichtbaren erlebt, aus einem kargen Schutzraum heraus, in ärmlichen Mehrbettzimmern, fern von ihren Familien. Aber doch immerhin nicht alleingelassen, von Fürsorge und Entschlossenheit umgeben. Und vom Verlangen geprägt, Unabhängigkeit in der Welt der Sehenden zu erlangen.
Die Fotografin versteht ihre Arbeit nicht zuletzt als „Einladung“ an uns, mitzufühlen. Statt auszublenden. Sie sagt: „Die Welt berührt uns, wenn wir sie berühren.“ Damit auch für die Kinder greifbar wurde, was sie mit den Bildern machte, perforierte sie die Fotos von Hand, mit kleinen Punkten und zarten Linien. Ein winzig kleines Angebot, Frieden zu machen mit dem Handicap. Mit dem Moment – und später vielleicht sogar mit dem Leben.
In Warschau wohnend, ist die 48 Jahre alte Fotografin nach einem Studium der Archäologie sowie der Fotografie unter anderem Mitgründerin von Poleczki.art, eines Centrums, das Galerie, Bibliothek, Studio und Lehrräume für gegenwärtige Fotografie vereint. Neben vielfachen Auszeichnungen war sie auch bei Ausstellungen von Osteuropa bis in die USA vertreten.
Die Flügel der Kindheit: Mahmoud Abu Hamda, Gaza/Palästina: Wings of Childhood and Peace
Bilder von einer Kindheit in Gaza mit einem Friedenspreis auszuzeichnen, muss auf den ersten Blick verwundern. Kaum irgendwo anders in den vergangenen Jahren haben schließlich gerade Kinder so fürchterlich unter Bomben, Zerstörung, Flucht, Hunger, Angst, Verwundungen, dem Verlust von Eltern, Geschwistern, Freundinnen und Freunden gelitten.
Und doch und selbst hier und selbst in den Trümmerlandschaften ist ein Kinderlachen zu sehen, spielt ein Junge Geige, schaukeln und toben Jungs und Mädchen, sitzen fröhlich beieinander, schaffen sich kleine Plätze für Ausgelassenheit, kümmern sich um ein Haustier, behaupten ihr Leben selbst an dunkelsten Orten, spielen. Kindheit hier, das zeigt der palästinensische Fotograf Mahmoud Abu Hamda in seinen anrührenden Bildern, ist nicht komplett verschwunden, nicht vollständig ausgelöscht. Sie hat sich nur unter immensem Druck zu behaupten. Tapferkeit inklusive und sicher auch die Fähigkeit, vergessen und verdrängen zu können.
Mahmoud Abu Hamda hat den Bildern dieser Serie den Titel „Die Flügel von Kindheit und Frieden“ gegeben. Flügel, die mindestens äußerlich nicht verbrannt oder gebrochen sind – sondern noch hinaustragen können selbst aus dem Krieg. Und dorthin, wo es um Menschenwürde unverletzlich ist.
Hamda, 36 Jahre alt, hat am University College of Applied Sciences eine Ausbildung in Multimedia erhalten und später einen Lehrauftrag in Fotografie an der University of Gaza innegehabt. Er widmete sich Naturaufnahmen und Food-Fotografie und bis zum Kriegsbeginn allen Facetten des Alltagslebens in Gaza. Dann allerdings erfuhr er Vertreibung und Not auch in der eigenen Familie und wurde beim Bombardement eines Hochhauses durch die israelische Luftwaffe selber verletzt. Hat Hunger fotografiert, während er selber hungerte.
Die international führende Fotografen-Agentur Magnum ehrte Hamda bereits mit einer großen Veröffentlichung. Ausgestellt wurde seine Arbeit unter anderem in Amsterdam, ausgezeichnet 2023 mit einem der renommierten Lucia Awards. Die Bilder beschwingter Kinder – vielleicht hat sie Hamda auch deshalb gesucht, weil er, wie er in einem Interview mit Magnum einmal sagte, zwischen allem Elend auch manchmal einen Ort brauche, um auszuruhen. „Um zu atmen.“
„Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg“
Lois Lammerhuber, der gemeinsam mit seiner Frau Silvia Lammerhuber den Global Peace Photo Award initiiert hat und seit Anbeginn organisiert, erinnerte daran, dass „Frieden nicht die Abwesenheit von Krieg ist, sondern etwas, das ich als „Gelungenes Leben“ bezeichnen möchte. Mit all ihrer kreativen und künstlerischen Leidenschaft formulierten die Fotografen und Fotografinnen eine Ode an den Respekt vor der Zerbrechlichkeit unserer Welt, so Lammerhuber. „Sie fesseln den Blick mit Fotografien, die vom Auge direkt im Herzen Wurzeln schlagen, und uns ermutigen, sich gegen die Gleichgültigkeit und den herrschenden Populismus zu wehren. Ein Appell an die Welt, der fest ins Herz unseres Awards eingeschrieben ist.“
Christoph Jünger, Geschäftsführer von UNICEF Österreich, betonte in seiner Rede: „Kinder und Jugendliche erleben die Auswirkungen von Konflikten, Krisen und gesellschaftlichen Spannungen oft besonders unmittelbar. Umso wichtiger ist es, ihnen Raum zu geben, ihre Sicht auf die Welt sichtbar zu machen.“ Die Beiträge zum Children‘s Peace Image of the Year zeigten eindrucksvoll, wie junge Menschen Frieden verstehen, erleben und gestalten, so Jünger.
Die Keynote des Abends hielt Cornelius Obonya, Schauspieler und Regisseur, Ehrenbeauftragter von UNICEF Österreich.
Foto: Johannes Zinner/Global Peace Photo Award
Über den Global Peace Photo Award 2026
Zum Global Peace Photo Award 2026 wurden 27.846 Einreichungen aus 144 Ländern eingereicht. Die meisten Einreichungen kamen aus Indien, USA, China, Italien, Deutschland, Frankreich, Nigeria, Russland, Bangladesh und Pakistan. Juriert wurden die Einreichungen von einer hochkarätigen, internationalen Jury (https://globalpeacephotoaward.org/jury).
Der Global Peace Photo Award wird in Kooperation von Edition Lammerhuber, Photographischer Gesellschaft (PHG), UNESCO, Österreichischem Parlament, der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure, des Internationalen Press Institute (IPI), World Press Photo Foundation, POY LATAM, APA – Austria Presse Agentur, der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), Unicef Austria und Vienna Insurance Group ausgelobt.
Weitere Infos unter https://globalpeacephotoaward.org.
Teilen mit: