Das Open-Air-Fotofestival La Gacilly-Baden Photo findet in ganz Baden statt, unter anderem auch in der Orangerie im Badener Rosarium im Doblhoffpark. Foto: Festival La Gacilly-Baden Photo
Auf der einen Seite wirkt Großbritannien ein wenig wie aus der Zeit gefallen mit sehr alten und windschiefen Häusern in kleinen mittelalterlich wirkenden Dörfern, Jahrhunderte weit zurückreichende Traditionen inklusive einer nach wie vor im Selbstbild des Landes wesentlichen Monarchie. Selbst die monumentalen und unhandlichen Stromstecker wirken als ob sie noch mit Dampf betrieben würden. Gleichzeitig ist es ein höchst moderner Staat in Europa, das mit diesem – Brexit hin oder her – doch stets verbunden war und nach wie vor verbunden ist. London ist trotz Brexit das unangefochtene Finanzzentrum Europas und als Atommacht ist das Land ein wichtiger militärischer Faktor in Europa. Die Menschen selbst sind im Allgemeinen sehr höflich (die Warteschlangen sind legendär), lieben eine gewisse Derbheit, die in trockenem Humor verpackt, eine ganz eigenen Charme entwickelt. Auch eine gewisse Exzentrik wird den Briten nachgesagt. Man denke etwa an Oscar Wilde, der einen Hummer an der Leine am Ufer der Themse spazieren führte und damit Extravaganz als Kunstform pflegte. Und kulturell sind die Briten sowohl in Literatur, Theater und Musik und ja, auch Fotografie ohnedies ganz vorne dabei. Dieser Mix kann mit dem Motto des diesjährigen Festivals La Gacilly-Baden Photo treffend zusammengefasst werden: So British!
Das Festival hat sich stets bemüht, die großen Meister der Fotografie zu ehren, was mit den in Baden ausgestellten Fotografen und Fotografinnen wieder bewiesen wird.
Sir Don McCullin, der von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde, ist eine Legende. Während seiner gesamten Karriere fotografierte er nicht das Elend der Ausgegrenzten, er prangerte es an; er fotografierte nicht den Krieg, er verurteilte dessen Absurdität; er fotografierte nicht die englische Landschaft, nein, er zeigte deren Zerbrechlichkeit.
Wenn Schelmerei das Vorrecht der Briten wäre, dann ist Martin Parr ihr fotografischer Herold. Seit über fünfzig Jahren wirft der unermüdliche Chronist der englischen Gesellschaft einen messerscharfen Blick auf seine Landsleute. Und nicht anders ist er auch bei seinen Aufträgen für die Welt der Mode vorgegangen: Seine Stilmittel verleihen den Bildern eine gewisse Überzeichnung. Mode wird nicht nur präsentiert, sondern gleichzeitig hinterfragt: Was bedeutet Stil in einer Welt des Massenkonsums? Wie beeinflussen Trends unser Verhalten und unsere Wahrnehmung von Schönheit?
Tony Ray-Jones, dieser ironische Beobachter, der dem Humor seinen rechtmäßigen Platz einräumte, ohne jemals in unnötige Grausamkeit zu verfallen, steht ihm dabei in nichts nach.
Peter Dench hat sich dafür entschieden, die Widersprüche einer Gesellschaft, die als zutiefst traditionsverbunden gilt, genau unter die Lupe zu nehmen. Josh Edgoose streift durch die Straßen Londons auf der Suche nach dem Unerwarteten. „Swinging London“ erinnert uns daran, dass ikonische Popmusik an den Ufern der Themse geboren wurde. Terry O’Neill war nicht nur Zeuge dieser berauschenden Revolution, er war der fotografische Vertraute der „Enfants terribles“ Englands, von den Beatles über die Rolling Stones und David Bowie bis zu Elton John.
Wussten Sie, dass das Vereinigte Königreich und Frankreich gemeinsam das Privileg haben, die Erfinder der Fotografie zu sein? Obwohl Nicéphore Niepce aus Chalon-sur-Saône als Erster ein Bild auf einer Metallplatte festhielt, war es eine englische Botanikerin, die diese Technik bereits 1843 als Erste weiterentwickelte. Anna Atkins war eine Pionierin auf dem Gebiet der Cyanotypie, mit der sie Herbarien von faszinierender Schönheit schuf. Gina Soden erkundet Herrenhäuser und alte Villen, die ihre Besitzer zurückgelassen haben, stillgelegte Fabriken und verfallene Krankenhäuser, in denen die Natur sich ihr Recht zurückerobert hat. Cig Harvey experimentiert mit Farben, unseren Sinneserfahrungen und Körpern, die mit der Natur verschmelzen. Schließlich wirft Mary Turner einen zärtlichen Blick auf die marginalisierten Bevölkerungsgruppen des postindustriellen Englands.
Christian Skrein erinnert uns an den Besuch der Beatles in Obertauern, die zum Videodreh von Help! angereist waren – und von der Bevölkerung mit Transparenten empfangen wurden: Beatles Go Home! Und der Badener Filmemacher Richard Ladkani setzt Jane Goodall ein fotografisches Denkmal aus der innigen Perspektive einer nun abrupt zerrissenen Lebensfreundschaft: „Just me, Jane!“ Esther Haase hat Andreas Kronthaler besucht, um mit ihm dem Vermächtnis seiner langjährigen Weggefährtin und Ehefrau Vivian Westwood nachzuspüren.
Mike Taylors Arbeit „The Beautiful Game“ zeigt uns Fußball aus der Perspektive von fiebernden Fans in britischen Pubs – ohne auch nur einen einzigen Fußballspieler ins Bild zu setzen.
Mondlandung in 3D – stereoskopische Fotos aus der Sammlung von Brian May
Queen-Gitarrengott Sir Brian May ist nicht nur ein zur Ikone gewordener Rockmusiker, sondern vor allem auch leidenschaftlicher Stereofotograf und der weltweit größte Sammler dieser Kunst. Nach 2019, als in Baden seine Arbeit „Die Mondlandung in 3D“ im Arnulf Rainer Museum ihre Weltpremiere erlebte, wird das Festival mit „Stereoscopic Adventures In Hell“ eine absolute Rarität seiner Sammlung zeigen, die kurz nach der Erfindung der Fotografie geschaffen wurde. Dieser 3D-Kultklassiker bietet einen einzigartigen satirischen Blick auf die Vorstellung der Hölle in den 1860er Jahren und versetzt sie auf die schönst mögliche Weise in eine albtraumhafte Unterwelt! Diese bemerkenswerten Szenen wurden von den zwei führenden französischen Bildhauern Pierre Hennetier und Louis Habert aus Ton modelliert und dann mit einer Stereokamera fotografiert – ein ganz besonderer Fotografie-Leckerbissen im Kontext des 200. Geburtstages der Fotografie. Ebenso spektakulär und dem runden Geburtstag der Fotografie gewidmet zeigt das Festival die Retrospektive des einzigartigen Schaffens von Foto-Ikone und Magnum Gründer Robert Capa als erste Zusammenarbeit des Festivals mit dem Robert Capa Contemporary Photography Center Budapest.
Eine andere Rarität ist die Ausstellung von Michel Bouvet „I Love The Beatles“, der als Bewunderer der Beatles in 35 außergewöhnlichen Bildern die legendärsten Songs der Band aus Liverpool illustriert. Eeine Arbeit, die vor allem das Ergebnis einer Fantasie ist, die von seiner Leidenschaft für Musik, Malerei, Literatur und Reisen getragen wird.
Unter dem Titel „Water is Life!“ wirft Unesco-Weltwasserchair Helmut Habersack einen ernüchternden Blick auf die Flüsse der Welt. Er beschreibt ihre Schönheit und ihre Dramen sowie was die Wissenschaft dazu beitragen kann, ihr Wasser wieder erfrischend zu machen. Der Innsbrucker Forscher Günter Köckent führt in die fernsten Gebiete der Welt, wo Seesaiblinge als „Instrument“ zum Umwelt-Monitoring eingesetzt werden. Fast noch mehr unerwartete Exotik stellt sich ein, wenn das Festival die junge Badenerin Christin Gerstorfer in die faszinierende stille und dunkle Welt des Apnoetauchens begleitet.
2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Ein Faktum, das auf die ständig zunehmende Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre zurückzuführen ist. Die Ozeane, die 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken, sind ein wichtiger Regulator des Erdklimas. Sie absorbieren über 90 Prozent der überschüssigen Wärme im Klimasystem, was zu immer heftigeren Hurrikanen und Stürmen führt. Wer könnte einen besserlebendigen Einblick in das fragile Ökosystem des Blauen Planeten geben als der Meeresbiologe Laurent Ballesta, einer der besten Unterwasserfotografen seiner Generation. Weiters gibt es Werke von Robert Doisneau, dessen Werk weit über Paris und seine Vororte hinausgeht. Stéphane Lavoué machte sich diesen Winter auf, um jene Menschen zu treffen, die von und mit den Ozeanen leben. Der indische Fotograf Supratim Bhattacharjee arbeitet seit Jahren im Sundarbans-Archipel. Er zeigt uns den Alltag von Menschen, die mit Klimakatastrophen und steigenden Meeresspiegeln konfrontiert sind.
Die unermüdliche Reisende, Modefotografin und Mitglied der Académie des Beaux-Arts Françoise Huguier erkundet in Emotive Africa die Seele der Menschen von Mali bis Äthiopien, von Benin bis Mosambik.
In Tansania verortet Frédéric Noy sein Langzeitprojekt Udzungwa, wo Populationen endemischer Affen im Herzen eines Primärwaldes leben, der durch die Urbanisierung bedroht ist. In einem Essay, der ebenso dokumentarisch wie künstlerisch ist, hat Axelle de Russé mithilfe von Infrarotfotografie unsere beiden bewohnten Polarwelten im Norden und im Süden betrachtet. Corey Arnold belegt mit seinem Bericht wie sich Bären, Kojoten und Waschbären auf der Suche nach Nahrung, die sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum nicht mehr finden, in unsere Städte wagen.
Als flüchtiges Geschenk an die Natur und als Ode an das Reisen und die Kontemplation stellt das Festival die sinnliche Welt von François Fontaine aus, Gewinner des Leica-Preises für neue Umweltfotografie 2025. Seine Bilder, aufgenommen zur Zeit der Vollblüte, ähneln Drucken und zeigen fleckiges Licht, magische Reflexionen, den Wind in den Bäumen und das Erblühen einer neuen Jahreszeit.
Und schließlich überrascht Norbert Span mit seiner visuellen Reise in die mikroskopischen Strukturen von Vitaminen und enthüllt ihre verzaubernde innere Schönheit.
Die Ausstellung Der Traum vom Fliegen zeigt, zu welchen Leistungen Menschen fähig sind, wenn sie von Tatendrang und Neugier getrieben werden. Jeder Start, jeder Flug, jede Landung sind eine Erinnerung daran. Der Traum vom Fliegen ist ein gemeinsames fotografisches Projekt von Ana María Arévalo Gosen, Hans-Jürgen Burkard, Heinz Stephan Tesarek, Jérôme Gence, Martina Draper, Nadia Ferroukhi, Ulla Lohmann und Lois Lammerhuber, das anlässlich des 70. Geburtstages des Flughafen Wien in dessen Auftrag entstanden ist.
Das bilaterale Fotoprojekt Pop Nature fordert die Schulen des Morbihan und in Niederösterreich auf, sich mit einer freien, unbeschwerten, psychedelischen, rhythmischen und lebendigen fotografischen Perspektive der Natur zu nähern. Der Fokus liegt auf leuchtenden Farben, einer funkelnden, lebendigen, sorgenfreien und positiven Welt.
Die Ausstellung I love Coffee, I love Tea mit Fotografien der niederösterreichischen Berufsfotografie und die Ausstellung des mit 656.738 eingereichten Fotos aus 153 Ländern größten Fotowettbewerbes der Welt, Our World is Beautiful von CEWE, werden das Festival ebenso abrunden wie die AI-inspirierte Arbeit von Christoph Künne über die 450 jährige Geschichte von Manfred Schneiders Backhaus Annamühle in Baden.
Unter dem Leitgedanken Culture of Solidarity wird die Zusammenarbeit mit den Festivalpartnern Garten Tulln – dort wird die CEWE-Ausstellung „Our World is Beautifu“ gezeigt, – und dem Monat der Fotografie Bratislava auch 2026 fortgesetzt. Neu ist die Partnerschaft mit der Stadt Warschau, wo die Bilder des Global Peace Photo Award gezeigt werden.
Die Rückschau auf das Festival 2024 in den Bildern der Artista in Residence Sabine Starmayer, die von Texten der Thomas-Jorda-Preisträgerin 2024 Elisabeth Steinkellner begleitet werden, wird in einem Fotobuch gezeigt, das von der Edition Lammerhuber verlegt und von CEWE gedruckt wird.
Wer sich die Bilder nach einem Besuch noch einmal in Ruhe ansehen will oder für den sich ein Besuch in Baden zeitlich nicht ausgeht, der sei auf den Festivalkatalog „SO BRITISH!“ verwiesen, der begleitend zum Festival in der Edition Lammerhuber erscheint.
Das Festival La Gacilly-Baden Photo findet vom 12. Juni bis 11. Oktober 2026 ein Baden bei Wien statt. Weitere Informationen unter https://festival-lagacilly-baden.photo/de.
Auf der einen Seite wirkt Großbritannien ein wenig wie aus der Zeit gefallen mit sehr alten und windschiefen Häusern in kleinen mittelalterlich wirkenden Dörfern, Jahrhunderte weit zurückreichende Traditionen inklusive einer nach wie vor im Selbstbild des Landes wesentlichen Monarchie. Selbst die monumentalen und unhandlichen Stromstecker wirken als ob sie noch mit Dampf betrieben würden. Gleichzeitig ist es ein höchst moderner Staat in Europa, das mit diesem – Brexit hin oder her – doch stets verbunden war und nach wie vor verbunden ist. London ist trotz Brexit das unangefochtene Finanzzentrum Europas und als Atommacht ist das Land ein wichtiger militärischer Faktor in Europa. Die Menschen selbst sind im Allgemeinen sehr höflich (die Warteschlangen sind legendär), lieben eine gewisse Derbheit, die in trockenem Humor verpackt, eine ganz eigenen Charme entwickelt. Auch eine gewisse Exzentrik wird den Briten nachgesagt. Man denke etwa an Oscar Wilde, der einen Hummer an der Leine am Ufer der Themse spazieren führte und damit Extravaganz als Kunstform pflegte. Und kulturell sind die Briten sowohl in Literatur, Theater und Musik und ja, auch Fotografie ohnedies ganz vorne dabei. Dieser Mix kann mit dem Motto des diesjährigen Festivals La Gacilly-Baden Photo treffend zusammengefasst werden: So British!
Das Festival hat sich stets bemüht, die großen Meister der Fotografie zu ehren, was mit den in Baden ausgestellten Fotografen und Fotografinnen wieder bewiesen wird.
Sir Don McCullin, der von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde, ist eine Legende. Während seiner gesamten Karriere fotografierte er nicht das Elend der Ausgegrenzten, er prangerte es an; er fotografierte nicht den Krieg, er verurteilte dessen Absurdität; er fotografierte nicht die englische Landschaft, nein, er zeigte deren Zerbrechlichkeit.
Wenn Schelmerei das Vorrecht der Briten wäre, dann ist Martin Parr ihr fotografischer Herold. Seit über fünfzig Jahren wirft der unermüdliche Chronist der englischen Gesellschaft einen messerscharfen Blick auf seine Landsleute. Und nicht anders ist er auch bei seinen Aufträgen für die Welt der Mode vorgegangen: Seine Stilmittel verleihen den Bildern eine gewisse Überzeichnung. Mode wird nicht nur präsentiert, sondern gleichzeitig hinterfragt: Was bedeutet Stil in einer Welt des Massenkonsums? Wie beeinflussen Trends unser Verhalten und unsere Wahrnehmung von Schönheit?
Tony Ray-Jones, dieser ironische Beobachter, der dem Humor seinen rechtmäßigen Platz einräumte, ohne jemals in unnötige Grausamkeit zu verfallen, steht ihm dabei in nichts nach.
Peter Dench hat sich dafür entschieden, die Widersprüche einer Gesellschaft, die als zutiefst traditionsverbunden gilt, genau unter die Lupe zu nehmen. Josh Edgoose streift durch die Straßen Londons auf der Suche nach dem Unerwarteten. „Swinging London“ erinnert uns daran, dass ikonische Popmusik an den Ufern der Themse geboren wurde. Terry O’Neill war nicht nur Zeuge dieser berauschenden Revolution, er war der fotografische Vertraute der „Enfants terribles“ Englands, von den Beatles über die Rolling Stones und David Bowie bis zu Elton John.
Wussten Sie, dass das Vereinigte Königreich und Frankreich gemeinsam das Privileg haben, die Erfinder der Fotografie zu sein? Obwohl Nicéphore Niepce aus Chalon-sur-Saône als Erster ein Bild auf einer Metallplatte festhielt, war es eine englische Botanikerin, die diese Technik bereits 1843 als Erste weiterentwickelte. Anna Atkins war eine Pionierin auf dem Gebiet der Cyanotypie, mit der sie Herbarien von faszinierender Schönheit schuf. Gina Soden erkundet Herrenhäuser und alte Villen, die ihre Besitzer zurückgelassen haben, stillgelegte Fabriken und verfallene Krankenhäuser, in denen die Natur sich ihr Recht zurückerobert hat. Cig Harvey experimentiert mit Farben, unseren Sinneserfahrungen und Körpern, die mit der Natur verschmelzen. Schließlich wirft Mary Turner einen zärtlichen Blick auf die marginalisierten Bevölkerungsgruppen des postindustriellen Englands.
Christian Skrein erinnert uns an den Besuch der Beatles in Obertauern, die zum Videodreh von Help! angereist waren – und von der Bevölkerung mit Transparenten empfangen wurden: Beatles Go Home! Und der Badener Filmemacher Richard Ladkani setzt Jane Goodall ein fotografisches Denkmal aus der innigen Perspektive einer nun abrupt zerrissenen Lebensfreundschaft: „Just me, Jane!“ Esther Haase hat Andreas Kronthaler besucht, um mit ihm dem Vermächtnis seiner langjährigen Weggefährtin und Ehefrau Vivian Westwood nachzuspüren.
Mike Taylors Arbeit „The Beautiful Game“ zeigt uns Fußball aus der Perspektive von fiebernden Fans in britischen Pubs – ohne auch nur einen einzigen Fußballspieler ins Bild zu setzen.
Mondlandung in 3D – stereoskopische Fotos aus der Sammlung von Brian May
Queen-Gitarrengott Sir Brian May ist nicht nur ein zur Ikone gewordener Rockmusiker, sondern vor allem auch leidenschaftlicher Stereofotograf und der weltweit größte Sammler dieser Kunst. Nach 2019, als in Baden seine Arbeit „Die Mondlandung in 3D“ im Arnulf Rainer Museum ihre Weltpremiere erlebte, wird das Festival mit „Stereoscopic Adventures In Hell“ eine absolute Rarität seiner Sammlung zeigen, die kurz nach der Erfindung der Fotografie geschaffen wurde. Dieser 3D-Kultklassiker bietet einen einzigartigen satirischen Blick auf die Vorstellung der Hölle in den 1860er Jahren und versetzt sie auf die schönst mögliche Weise in eine albtraumhafte Unterwelt! Diese bemerkenswerten Szenen wurden von den zwei führenden französischen Bildhauern Pierre Hennetier und Louis Habert aus Ton modelliert und dann mit einer Stereokamera fotografiert – ein ganz besonderer Fotografie-Leckerbissen im Kontext des 200. Geburtstages der Fotografie. Ebenso spektakulär und dem runden Geburtstag der Fotografie gewidmet zeigt das Festival die Retrospektive des einzigartigen Schaffens von Foto-Ikone und Magnum Gründer Robert Capa als erste Zusammenarbeit des Festivals mit dem Robert Capa Contemporary Photography Center Budapest.
Eine andere Rarität ist die Ausstellung von Michel Bouvet „I Love The Beatles“, der als Bewunderer der Beatles in 35 außergewöhnlichen Bildern die legendärsten Songs der Band aus Liverpool illustriert. Eeine Arbeit, die vor allem das Ergebnis einer Fantasie ist, die von seiner Leidenschaft für Musik, Malerei, Literatur und Reisen getragen wird.
Unter dem Titel „Water is Life!“ wirft Unesco-Weltwasserchair Helmut Habersack einen ernüchternden Blick auf die Flüsse der Welt. Er beschreibt ihre Schönheit und ihre Dramen sowie was die Wissenschaft dazu beitragen kann, ihr Wasser wieder erfrischend zu machen. Der Innsbrucker Forscher Günter Köckent führt in die fernsten Gebiete der Welt, wo Seesaiblinge als „Instrument“ zum Umwelt-Monitoring eingesetzt werden. Fast noch mehr unerwartete Exotik stellt sich ein, wenn das Festival die junge Badenerin Christin Gerstorfer in die faszinierende stille und dunkle Welt des Apnoetauchens begleitet.
2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Ein Faktum, das auf die ständig zunehmende Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre zurückzuführen ist. Die Ozeane, die 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken, sind ein wichtiger Regulator des Erdklimas. Sie absorbieren über 90 Prozent der überschüssigen Wärme im Klimasystem, was zu immer heftigeren Hurrikanen und Stürmen führt. Wer könnte einen besserlebendigen Einblick in das fragile Ökosystem des Blauen Planeten geben als der Meeresbiologe Laurent Ballesta, einer der besten Unterwasserfotografen seiner Generation. Weiters gibt es Werke von Robert Doisneau, dessen Werk weit über Paris und seine Vororte hinausgeht. Stéphane Lavoué machte sich diesen Winter auf, um jene Menschen zu treffen, die von und mit den Ozeanen leben. Der indische Fotograf Supratim Bhattacharjee arbeitet seit Jahren im Sundarbans-Archipel. Er zeigt uns den Alltag von Menschen, die mit Klimakatastrophen und steigenden Meeresspiegeln konfrontiert sind.
Die unermüdliche Reisende, Modefotografin und Mitglied der Académie des Beaux-Arts Françoise Huguier erkundet in Emotive Africa die Seele der Menschen von Mali bis Äthiopien, von Benin bis Mosambik.
In Tansania verortet Frédéric Noy sein Langzeitprojekt Udzungwa, wo Populationen endemischer Affen im Herzen eines Primärwaldes leben, der durch die Urbanisierung bedroht ist. In einem Essay, der ebenso dokumentarisch wie künstlerisch ist, hat Axelle de Russé mithilfe von Infrarotfotografie unsere beiden bewohnten Polarwelten im Norden und im Süden betrachtet. Corey Arnold belegt mit seinem Bericht wie sich Bären, Kojoten und Waschbären auf der Suche nach Nahrung, die sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum nicht mehr finden, in unsere Städte wagen.
Als flüchtiges Geschenk an die Natur und als Ode an das Reisen und die Kontemplation stellt das Festival die sinnliche Welt von François Fontaine aus, Gewinner des Leica-Preises für neue Umweltfotografie 2025. Seine Bilder, aufgenommen zur Zeit der Vollblüte, ähneln Drucken und zeigen fleckiges Licht, magische Reflexionen, den Wind in den Bäumen und das Erblühen einer neuen Jahreszeit.
Und schließlich überrascht Norbert Span mit seiner visuellen Reise in die mikroskopischen Strukturen von Vitaminen und enthüllt ihre verzaubernde innere Schönheit.
Die Ausstellung Der Traum vom Fliegen zeigt, zu welchen Leistungen Menschen fähig sind, wenn sie von Tatendrang und Neugier getrieben werden. Jeder Start, jeder Flug, jede Landung sind eine Erinnerung daran. Der Traum vom Fliegen ist ein gemeinsames fotografisches Projekt von Ana María Arévalo Gosen, Hans-Jürgen Burkard, Heinz Stephan Tesarek, Jérôme Gence, Martina Draper, Nadia Ferroukhi, Ulla Lohmann und Lois Lammerhuber, das anlässlich des 70. Geburtstages des Flughafen Wien in dessen Auftrag entstanden ist.
Das bilaterale Fotoprojekt Pop Nature fordert die Schulen des Morbihan und in Niederösterreich auf, sich mit einer freien, unbeschwerten, psychedelischen, rhythmischen und lebendigen fotografischen Perspektive der Natur zu nähern. Der Fokus liegt auf leuchtenden Farben, einer funkelnden, lebendigen, sorgenfreien und positiven Welt.
Die Ausstellung I love Coffee, I love Tea mit Fotografien der niederösterreichischen Berufsfotografie und die Ausstellung des mit 656.738 eingereichten Fotos aus 153 Ländern größten Fotowettbewerbes der Welt, Our World is Beautiful von CEWE, werden das Festival ebenso abrunden wie die AI-inspirierte Arbeit von Christoph Künne über die 450 jährige Geschichte von Manfred Schneiders Backhaus Annamühle in Baden.
Unter dem Leitgedanken Culture of Solidarity wird die Zusammenarbeit mit den Festivalpartnern Garten Tulln – dort wird die CEWE-Ausstellung „Our World is Beautifu“ gezeigt, – und dem Monat der Fotografie Bratislava auch 2026 fortgesetzt. Neu ist die Partnerschaft mit der Stadt Warschau, wo die Bilder des Global Peace Photo Award gezeigt werden.
Die Rückschau auf das Festival 2024 in den Bildern der Artista in Residence Sabine Starmayer, die von Texten der Thomas-Jorda-Preisträgerin 2024 Elisabeth Steinkellner begleitet werden, wird in einem Fotobuch gezeigt, das von der Edition Lammerhuber verlegt und von CEWE gedruckt wird.
Wer sich die Bilder nach einem Besuch noch einmal in Ruhe ansehen will oder für den sich ein Besuch in Baden zeitlich nicht ausgeht, der sei auf den Festivalkatalog „SO BRITISH!“ verwiesen, der begleitend zum Festival in der Edition Lammerhuber erscheint.
Das Festival La Gacilly-Baden Photo findet vom 12. Juni bis 11. Oktober 2026 ein Baden bei Wien statt. Weitere Informationen unter https://festival-lagacilly-baden.photo/de.
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